Kubitschek: "Man macht jetzt Krimis, das ist einfacher"

Interview30. Oktober 2014, 17:25
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Sie war das "Spatzl" von "Monaco Franze", Margot Balbeck in den "Guldenburgs ", Verlegerin Friederike von Unruh in "Kir Royal ": Ruth Maria Kubitschek verabschiedet sich nun mit dem "Traumhotel " vom TV

STANDARD: Freitag feiern Sie im "Traumhotel" Ihren Abschied vom Fernsehen. Wie fühlt sich das an?

Kubitschek: Es war Zufall. Die Rolle war nicht sehr groß. Ich bin ja nach der fünften Folge ausgestiegen, und nur deshalb dabei, weil es die letzte Folge der Serie ist. Da haben sie die Tante wieder reingeschrieben. Sagen wir so, Frau Ella wäre mir lieber gewesen als Abschied, aber so ist das Leben. Es geht nicht immer, wie man will, sondern wie das Leben will.

STANDARD: Sie haben für sich beschlossen, jetzt ist es genug? Wie kam es zu dem Entschluss?

Kubitschek: Vor drei Jahren, als ich Frau Ella spielte. Ich wollte schon da nur noch Malen, weil mich das Malen sehr interessiert und ich da neue Wege gehen will. Wenn man Bilder verkauft, kann man auch gut leben. Ich will mich weiterbilden als Malerin. Als Schauspielerin bin ich – ich weiß, das soll man nicht sagen – perfekt. Aber das ist ein Handwerk, das habe ich gelernt, das kann ich, und jetzt mache ich ein neues Handwerk. Es ist nicht so, dass ich den Beruf nicht geliebt habe, aber mit 83 Jahren gibt es nur ganz wenige Rollen. Und dann muss man von sich aus sagen: Es war schön, aber jetzt ist es genug, und jetzt lebe ich mein Leben. Das heißt ja auch, dass ich innerlich nicht mehr warten muss, ob eine Rolle kommt. Ich fühle mich jetzt freier.

STANDARD: Die komische Alte ist doch im Fernsehen eine allseits beliebte Figur?

Kubitschek: Ob ich die spielen will, ist die andere Frage. Ich höre nicht auf, zu tun, ich höre nur auf zu spielen. Ich habe einen Riesengarten und konnte ihn nie richtig genießen. Ich denke, nächstes Jahr werde ich mehr da sein, die Jahreszeiten wirklich mitkriegen.

STANDARD: Wenn Sie sich erinnern: Welche Rolle war die, die Ihnen am meisten entsprochen hat, in der Sie wussten, da kann ich alles zeigen, was ich kann?

Kubitschek: Ich mochte das Spatzl sehr, weil ich davor viele dramatische Figuren gespielt habe. Das Spatzl war für mich wie eine Reinigung von Schwerem, Schicksalhaftem ins Fröhliche, Intelligente und gleichzeitig Leichte. Vom Können her war schon die Frau Balbeck bei den Guldenburgs eine Rolle, wo ich fast alles zeigen konnte, weil Margot Balbeck ja fast wahnsinnig war.

STANDARD: Die "Guldenburgs" waren eine ganz große Sache, war Ihnen bewusst, dass Sie mit dieser Serie Fernsehgeschichte schreiben?

Kubitschek: Nein, dieses Bewusstsein hat man nicht. Erst war ja nicht einmal klar, ob sie es weitermachen. Wir waren uns überhaupt nicht sicher.

STANDARD: Es spielte die erste Riege, Christiane Hörbiger, Friedrich von Thun, Jürgen Goslar, Brigitte Horney, Iris Berben...

Kubitschek: Ja, das gibt es nun heute gar nicht mehr.

STANDARD: Eine Frage der Gagen?

Kubitschek: Die Gagen sind immer gleich oder eher weniger geworden. Ich denke, die Ideen sind nicht da. Man macht jetzt Krimis, das ist einfacher und billiger. Ich habe mir als Schauspielerin nicht gewünscht, dass ich eine Kommissarin bin oder eine Tote...

STANDARD: Obwohl Sie eine unglaublich berühmte Leiche waren – im Durbridge-Krimi "Melissa" 1966?

Kubitschek: Ja, ich war nach sieben Minuten tot. Und obwohl ich vorher schon im Bayerischen Fernsehen gespielt hatte, wurde ich mit dieser Rolle populär. Aber das musste ich erst verkraften. Denn auf einmal war ich auf einer Schiene, die ich gar nie wollte. Plötzlich war ich die Salondame vom Dienst. Ich wollte aber immer ins Charakterfach. Dann muss man sich entscheiden, was man will – und ich bin sehr entscheidungsfreudig.

STANDARD: Sie haben sich auch sehr früh entschieden, aus Böhmen wegzugehen wo Sie geboren sind?

Kubitschek: Meine Mutter hat mich alleine nach Deutschland geschickt als ich 14 war. Wissen Sie, das prägt. Ich war mit 14 selbständig. Mit 16 ging ich auf die Schauspielschule und meisterte mein Leben. Da hast du eine gewisse Stärke, um zu wissen, dass du nicht mehr abhängig sein willst. Im Schauspielerberuf bist du immer abhängig, und diese Abhängigkeit habe ich jetzt beendet.

STANDARD: Die Abhängigkeit hatte für die Zuschauer aber auch viel Produktives: Als Verlegerin Friederike von Unruh zeigten Sie in "Kir Royal" viel Bein. Unvergessen...

Kubitschek: Ja, der Helmut Dietl hat mich auch da abgeholt, wo ich vorher noch nie gewesen war. Diese intelligente Leichtigkeit hatte ich auch als Verlegerin. Das konnte ich mit in mein Leben nehmen, und natürlich lag mir viel daran.

STANDARD: Später spielten Sie viel nach eigenen Büchern. Wie kam es dazu?

Kubitschek: Wenn ich die Bücher nicht geschrieben hätte, hätte ich wahrscheinlich auch keine Rollen gehabt. So herum ging das. Ich habe mir die Rollen als Roman selbst geschrieben.

STANDARD: Was auffällt: Sie waren in Ihren Figuren kaum verheiratet. Weil die Drehbuchautoren den erfolgreichen Frauen keine Ehemänner gegönnt hatten?

Kubitschek: Stimmt, außer mit Helmut Fischer beim Monaco Franze war ich selten verheiratet. Meine Rollen waren starke Frauen, die hatten ihren Beruf, und sie haben ihr Leben selbst bestimmt. Dazu braucht man nicht unbedingt einen Mann. Ich habe nie das Schäfchen gespielt.

STANDARD: Ein Abschiedsgruß als Schauspielerin für die STANDARD-Leser?

Kubitschek: Ich erspare Ihnen, dass Sie mich als alte, verknitterte Frau irgendwo in irgendeiner kleinen Rolle sehen, sondern dass ich in Ihrem Gedächtnis bleibe, als noch einigermaßen intakte Frau, und ihr Leben selbst bestimmt. (Doris Priesching, DER STANDARD, 31.10./1.11./2.11.2014; Langfassung)

Ruth Maria Kubitschek (83), geboren in Chomutov, wurde von ihrer Mutter mit 14 aus Böhmen allein nach Deutschland geschickt. Schauspielschule mit 16. Durchbruch 1966 mit sieben lebenden Minuten im Durbridge-Krimi "Melissa".

"Traumhotel", 31. 10., 20.15, ORF 2

  • "Wie das Leben will": Kubitschek Anfang der 1980er als  "Spatzl" von "Monaco Franze" Helmut Fischer.
    foto: br

    "Wie das Leben will": Kubitschek Anfang der 1980er als "Spatzl" von "Monaco Franze" Helmut Fischer.

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