Vom fließenden Stillstand

30. Oktober 2014, 17:13
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Zur Eröffnung von Wien Modern

Wien - Was immer dieses Festival des Zeitgenössischen, dessen Gründung einst Claudio Abbado inspirierte, im Laufe seines Alterns ausgezeichnet hat - es schlummerte in ihm immer auch die Ambition, den frischen und jenen Werken des 20. Jahrhunderts Kontinuität, also die Gelegenheit zur Wiederaufführung, zu verschaffen. Und im redundanten Sinne war die Eröffnung ganz nahe an diesem Vorsatz. Bernhard Langs Monadologie XXIII ... for Stanley K. war ja bereits im Vorjahr im Konzerthaus Teil eines Wien-Modern-Tanzabends.

Damals wie heute durchwanderte das Radiosymphonieorchester Wien (unter Cornelius Meister) die heitere Verarbeitung von Musik, die Filmemacher Stanley Kubrick in seiner Weltraum-Odyssee zum Einsatz brachte. Richard Strauss' Also sprach Zarathustra (ironisch und motorisch gebrochen) wie auch der Donauwalzer rauschen vorbei - eine so kurze wie kurzweilige Spielerei.

Meditatives Durchtragen

Was folgte, glich dann eher einem fließenden Stillstand denn einer ausgelassenen Orchesterbeanspruchung, eher einem Kosmos der Farben und zarten Gesten denn einer sich markant aufbäumenden Struktur. Gérard Griseys Transitoires (Les Espaces Acoustiques Nr. 5) hat jedoch ausrechend Sogwirkung und Atmosphäre, um meditativ über die Zeit zu tragen. Wie auch letztlich Georg Friedrich Haas' erst zum Schluss sich quasi katastrophisch aufschwingendes, in ein zartes Streichersolo mündendes Concerto Grosso Nr. 2. Es vereint - wie unlängst in Graz beim Musikprotokoll - das RSO mit dem Klangforum Wien zu flächigen Gebilden, aus denen einzelne instrumentale Rufzeichen ebenso hervorragen wie markante rhythmische Momente und kollektive Glissandi. Wobei in Graz die Intensität noch ausgeprägter zu sein schien. (Ljubiša Tošić, DER STANDARD, 31.10.2014)

Am Freitag bei Wien Modern im Konzerthaus: "Das Leben am Rande der Milchstraße", Folge 1 bis 3, 20.15.

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