Türkischer Verein: Kritik an roten Freunden der grauen Wölfe

30. Oktober 2014, 18:41
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Linzer SPÖ-Spitze verteidigt Besuch beim türkischen Verein Avrasya, Politologe Schmidinger: "Faschistische Ideologie"

Linz/Wien - "Die treten in Österreich nach außen nett auf, aber das ist ein bekannt faschistischer Verein", ärgert sich die stellvertretende oberösterreichische SPÖ-Landesvorsitzende Fiona Kaiser. Die Rede ist vom türkischen Verein Avrasya in Linz, der sich selbst als "Bildungs-, Hilfs- und Kulturverein" bezeichnet. Experten rechnen ihn aber der rechtsextremen Organisation "Graue Wölfe" zu. Letztere gelten als ultranationalistisch und feindlich eingestellt gegenüber Juden, Kurden, Armeniern und allen Linken.

SPÖ-Bürgermeister Klaus Luger zeigte sich trotzdem wiederholt freundschaftlich im Umgang mit Avrasya, die auch regelmäßig am 1. Mai mit der SPÖ in Linz mitmarschiert. Nachdem kürzlich wieder Bilder auftauchten, die den Stadtchef am 22. Oktober beim Besuch im Vereinslokal zeigen, platzte dem oberösterreichischen Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus (Antifa-Netzwerk), dem 72 politische, kirchliche, kulturelle und humanitäre Organisationen angehören, der Kragen. Sie prangerten am Donnerstag die "Anbiederung demokratischer Politiker an Hetzer" an.

Protest von Kurden

Im Juli hatten bereits Kurden und linke Türken in einem Brief an die Landes- und Stadt-SPÖ gegen die Unterstützung von Avrasya protestiert. "Aber ihnen hat man nicht einmal geantwortet, während man die Rechten im Vereinslokal besucht", kritisiert Antifa-Netzwerk-Sprecher Robert Eiter.

"Wir sprechen das SPÖ-intern immer wieder an", sagt Fiona Kaiser, "und wir haben es auch schon 2011 bei einem Landesparteitag zum Thema gemacht." Für den Bürgermeister sprang am Donnerstag der Linzer SPÖ-Gemeinderat und -Bezirksgeschäftsführer Jakob Huber per Aussendung in die Bresche: "Bürgermeister Klaus Luger geht auf die Menschen zu und sucht den Dialog, auch, oder gerade, wenn sie eine andere Weltanschauung vertreten." Auf Nachfrage meint Huber noch: "In den 1990ern gab es Spannungen zwischen Kurden und Türken in Linz, seither versuchen wir, die Balance zwischen den Communitys zu halten." Zudem wisse ja gar nicht jeder Jugendliche, der den Wolfsgruß (Mittel- und Ringfinger berühren den Daumen, kleiner Finger und Zeigefinger sind gestreckt) mache, was das bedeute.

Partei im Schafspelz

Das könne schon sein, glaubt Thomas Schmidinger, Politologe der Uni Wien und Mitautor des Buches "Grauer Wolf im Schafspelz. Rechtsextremismus in der Einwanderungsgesellschaft", das 2012 ausgerechnet von der SPÖ-nahen Volkshilfe herausgegeben wurde und deutlich die faschistische Ideologie aufzeigt, "aber die Funktionäre wissen es genau". Und Avrasya gehöre "ideologisch ganz sicher" zu den Grauen Wölfen beziehungsweise zu deren Partei, der rechtsextremen türkischen MHP. Es sei den Organisationen nur "nach türkischem Recht verboten, im Ausland unter ihrem Parteinamen aufzutreten". (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 31.10.2014)

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