Was und wer Stress erzeugt

2. November 2014, 13:20
8 Postings

Nicht nur Druck von außen, sondern auch ein selbstauferlegter innerer Druck kann stressen. Diese "inneren Anweisungen ", die hohe Erwartung an sich selbst, machen krank

Gesundheitsgefährdender Stress kann nicht nur aufgrund äußerer Anforderungen entstehen, sondern auch durch zu hohe berufliche Anforderungen an sich selbst. Diese Gefahr ist dann hoch, wenn man in sich starke "innere Antreiber" hat, verinnerlichte Anweisungen, denen wir, zumal in schwierigen Situationen, fast zwanghaft folgen. In der Kindheit mögen sie einem das Leben erleichtert haben, weil man lieb oder brav war etc. Aber auch wenn man die Kindheit weit hinter sich gelassen hat, ist man von tief liegenden, zumeist nicht voll bewussten Haltungen unabhängig davon geprägt, ob die jeweilige Situation ein solches Verhalten tatsächlich erfordert.

Das Verhalten unter dem Druck von Antreibern ist nicht effektiv und der jeweiligen Situation meist nicht angemessen. Letztlich sind die Anforderungen der Antreiber auch nicht erfüllbar. Antreiber sind unersättlich. Sie erzeugen nicht nur inneren Stress, sondern führen auch zu Verhaltensweisen, die weiteren Druck aufbauen. Ruhe vor Antreibern bekommt man, wenn man sich selbst die Erlaubnis gibt, sich auch in Stresssituationen anders zu verhalten. Typische Antreiber (A) und mögliche Erlaubnisse (E) sind:

  • A: Sei stark! Man lässt sich nicht anmerken, was in einem vorgeht und dass man sich schwach fühlt.

  • E: Ich darf stark sein und zugleich Bedürfnisse haben.

  • Ich darf meinen Gefühlen vertrauen und mich von ihnen leiten lassen.

  • Ich brauche niemanden zu beeindrucken, um gemocht zu werden.

  • A: Beeil dich! Man nimmt sich keine Zeit für Vorbereitung, Nachbereitung, Zuhören oder für Regeneration.

  • E: Ich darf mir die Zeit nehmen und Dinge auf meine Art tun.

  • Ich darf mich auf Menschen und Situationen einlassen.

  • Ich brauche anderen nicht vorauszueilen, um beachtet zu werden.

  • A: Mach es anderen/mir recht! Man versucht die Wünsche der anderen zu erahnen und zu erfüllen, um nicht abgelehnt zu werden.

  • E: Ich darf mich wichtig nehmen und herausfinden, was ich will.

  • Ich darf nachdenken, bevor ich es auf meine Art tue.

  • Ich habe das Recht auf meine eigene Meinung.

  • A: Sei perfekt! Man verfängt sich in Details und Rechtfertigungen, ist mit sich aus Kleinigkeiten heraus unzufrieden.

  • E: Ich darf Fehler machen, ohne mich unzulänglich zu fühlen, und kann daraus lernen.

  • Ich darf mich so zeigen, wie ich bin, und meinen eigenen Stil entwickeln.

  • Ich darf die Zusammenarbeit mit anderen genießen.

  • A: Setz dich durch! Man ist auf Konfrontation aus und betrachtet Nachgeben als Schwäche.

  • E: Ich darf mir Zeit nehmen, zu verstehen, was mein Gegenüber bewegt.

  • Ich darf elastisch und beweglich sein.

  • Ich darf darauf verzichten, Sieger zu sein.

Erlaubnisse sollen nicht zu neuen Antreibern werden. Es kann hilfreich sein, zunächst ein "Manchmal" voranzusetzen. Gute Chefs widerstehen der Verlockung, die inneren Antreiber ihrer Mitarbeiter zu benutzen. Sie bestärken und unterstützen ihre Mitarbeiter vielmehr darin, sich selbst Erlaubnisse zu geben. (DER STANDARD, 31.10./1./2.11.2014)

Diese Serie entsteht aus Autorenbeiträgen aus dem Buch "Gesund führen" (Verlag Linde international 2014).

Share if you care.