Meischberger ist der neue Sparefroh

Kolumne30. Oktober 2014, 17:42
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Ein Lob der finanziellen Zurückhaltung

Der Krisenkolumnist ist ein großer Freund des Weltspartags und hat diesen auch heuer wieder feierlich begangen. Erst wird der Schottenrock angezogen, dann die Vorarlberger Landesflagge gehisst, und zuletzt hau ich zur Begleitung von Chris Howlands Hämmerchen-Polka mit dem Hämmerchen mein Sparschwein, mein Sparschwein kaputt.

Tatsächlich kann nicht früh genug auf die Bedeutung des Sparens hinwiesen werden. Dies besonders in einer Zeit, in der die Zunahme junger Prasser und Pleitiers auf eine Zunahme von Störungen in der analen Phase hindeutet. Denn seit Freud wissen wir: Wer es als Kleinkind an Zurückhaltung fehlen lässt und seinen Krapfen ohne Federlesens in den Topf absetzt, der wird auch im späteren Lebensalter dazu neigen, ungut zu urassen und Geld hinauszupfeffern.

In Österreich obliegt die Pflege des Spargedankens traditionell dem sogenannten Sparefroh, der aber in den letzten Jahren in Misskredit geraten ist. Erstens steht er im Verdacht, er sei eine Erfindung der Pleitebanker, um die Kleinsparer auszunehmen. Megageile Spekulationsorgien und geistesgestörte Mörderboni wollen ja finanziert sein. Zweitens ist das Erscheinungsbild des Sparefroh überholt. Die asexuelle Grinse-Visage, das Euro-Wagenrad auf der Brust und das rote Dreiecksegel hinter dem Schädel wirken heute wie das Outfit eines Individuums, das eben etliche Wochen in der Geschlossenen hinter sich hat.

So gesehen wäre Ersatz gefragt. Am besten wäre es, wenn der Sparefroh durch ein paar Galionsfiguren aus der unvergesslichen schwarz-blauen Regierungsära ersetzt würde. Wie das? Nun, niemals sonst in der österreichischen Geschichte als unter Bundeskanzler Schüssel war es auch Menschen von limitierten Geistesgaben jahrelang vergönnt, solch substanzielle Summen auf die Seite zu bringen.

Karl-Heinz "Dagobert" Grasser konnte so viel Bargeld zusammenkratzen, dass er es im Plastiksack von der Schweiz nach Österreich transportieren musste. Unser nationaler Lieblingsleistungsträger Walter "Ich schau auf mein Geld" Meischberger war gar in der Lage, sich eine Millionenvilla vom Mund abzusparen! Der Einzige, der trotz seiner Hunderttausend-Euro-Pressekonferenzen krachen gegangen ist, war Gernot "Ich zwick dich in die Eier" Rumpold. Sicher deshalb, weil er den Spargedanken nicht richtig verstanden hat. (Christoph Winder, Album, DER STANDARD, 31.10./1./2.11.2014)

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