Schiffen in der Weltraumkabine

Kolumne31. Oktober 2014, 16:26
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Tierische oder menschliche Bedürfnisse und Mobilität, das ist eine Leidensgeschichte

Wenn's ums Fressi geht oder Gackerl, ist Pipsi nicht zu bremsen: Aus dem Stand heraus beschleunigt sie rasant wie ein Porsche. Oder auch nicht. Egal, manchmal kann es nicht schnell genug gehen. Tierische oder menschliche Bedürfnisse und Mobilität, das ist eine Leidensgeschichte. Im Pkw sowieso, denn da gibt es, abgesehen von leidlich funktionierenden Behelfen, keine drucklindernde Abhilfe.

In Flugzeug und Zug ist es schon besser, sofern die Hightech-Häusln im Winter nicht einfrieren. Selbst in publikumstechnisch deutlich höher beanspruchten Pendlerzügen hat sich mit neuem Wagenmaterial vieles verbessert. Einzig die olfaktorische Komponente ist nach wie vor atemberaubend, wobei nicht immer ganz klar ist, ob der Geruch des Putzmittels schärfer ist oder jener der zu entfernenden Substanzen.

Tapetenwechsel und Zwangsbeduftung

Die Bundesbahn geht dieses Problem an und lässt die WC-Kabinen von 250 Nahverkehrszügen neu tapezieren. Das ist grundsätzlich ein guter Ansatz. Ob Fototapeten und deren Motive dazu angetan sein werden, die Fahrgäste zu mehr Treffsicherheit anzuhalten, ist nicht überliefert. Auf die Kommentare im Netz darf man gespannt sein, denn die Bahn lässt ihre Internet-Community aus vier Motiven wählen: Weltraum, Berge, Meer oder Zitronenbaum.

Die Fantasie regt die Neuerung jedenfalls an. Schwerelos schiffen? Davon haben wir immer schon geträumt. Auch die Fahrgäste werden befragt, geht mit dem Tapetenwechsel doch eine Zwangsbeduftung einher. Zitronenbaumaroma? Klingt ungefährlich. Dann wissen alle, wo sie ihr Haxerl heben dürfen. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 31.10.2014)

  • Kann aus dem Stand beschleunigen, wie ein Porsche: Pipsi. Zumindest, wenn das Bedürfnis da ist.
    foto: matthias cremer

    Kann aus dem Stand beschleunigen, wie ein Porsche: Pipsi. Zumindest, wenn das Bedürfnis da ist.

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