Attacke auf Tramwayfahrer: In Anstalt eingewiesen

30. Oktober 2014, 14:47
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Mann mit 7:1 Stimmen für zurechnungsunfähig erkannt - Entscheidung rechtskräftig

Wien - Weil er Angst hatte, "aufgefressen" zu werden, habe er einem Straßenbahnfahrer an der Endstation der Linie 46 ein Winkeleisen auf den Kopf geschlagen. Das erklärte ein psychisch Kranker am Donnerstag im Wiener Landesgericht. Der Mitarbeiter der Wiener Linien war bei dem Vorfall lebensgefährlich verletzt worden.

Der Angeklagte wurde in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen. Die Geschworenen bescheinigten dem Täter mit 7:1 Stimmen Zurechnungsunfähigkeit. Die Unterbringung im Maßnahmenvollzug ist rechtskräftig.

Gewaltausbruch am Joachimsthalerplatz

Zu dem Gewaltausbruch kam es am 5. Juni 2014 am Joachimsthalerplatz in Wien-Ottakring, nachdem der Tramwayfahrer die Straßenbahngarnitur in die Warteschleife gelenkt hatte. Als er bemerkte, dass nicht alle Fahrgäste ausgestiegen waren, sondern am hintersten Sitzplatz noch ein Mann saß, ging der 34-Jährige kurz nachschauen. Der Fahrer stellte fest, dass der Mann nicht - wie von ihm vermutet - eingeschlafen war, worauf er sich wieder umdrehte, um dem Fahrgast die Tür zu öffnen.

Der Mann erhob sich allerdings, folgte dem 34-Jährigen und schlug diesem mit beiden Händen ein Winkeleisen auf den Kopf. Zwei weitere Schläge, die den Nacken und die Schulter trafen, setzte er hinterher.

Schwerste Verletzungen

Der erste Hieb drückte dem Straßenbahnfahrer den Schädel ein. Der Gerichtsmediziner Nikolaus Klupp stellte nicht weniger als elf singuläre Knochenbruchfragmente fest. "Bei nicht sachgerechter sofortiger Behandlung wäre mit dem Eintritt des Todes zu rechnen gewesen", betonte Klupp. Dem Schwerverletzten musste im Spital ein Titannetz eingesetzt werden, da sich die Schädeldecke ansonsten nicht mehr schließen hätte lassen.

Der 34-Jährige dürfte sein Leben einer Kollegin verdanken, die sich als Fahrschülerin zu Ausbildungszwecken neben ihm in der Straßenbahn befunden hatte. Als die 41 Jahre alte Frau die Schläge mitbekam, betätigte sie den Alarmknopf. Der Täter ergriff die Flucht, versteckte unweit vom Tatort das Winkeleisen, konnte aber am Abend desselben Tages in einem Altersheim von der Polizei aufgegriffen werden, wo er - mit einem Messer bewaffnet - aufgefallen war.

Psychisch schwerkrank

Wie sich in weiterer Folge herausstellte, handelte es sich bei dem 39-Jährigen um einen psychisch Schwerkranken. Der Mann leidet laut einem psychiatrischen Gutachten an einer ausgeprägten paranoiden Schizophrenie, war zum Tatzeitpunkt nicht zurechnungsfähig und damit nicht schuldfähig. Staatsanwalt Marc-Julian Mayerhöfer hat ihn daher nicht wegen versuchten Mordes angeklagt, sondern forderte das Gericht auf, den Mann in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher einzuweisen. Es sei zu befürchten, dass der 39-Jährige in Zukunft wieder Straftaten mit schweren Folgen setzen könnte, wenn man ihn nicht im Maßnahmenvollzug behandle, sagte Mayerhöfer.

In den vergangenen Monaten ist es mehrfach zu Übergriffen auf Mitarbeiter der Wiener Linien gekommen. Erst Anfang Oktober wurde ein ebenfalls zurechnungsunfähiger 52-Jähriger vom Straflandesgericht in den Maßnahmenvollzug eingewiesen, nachdem er am 26. Jänner 2014 in Wien-Floridsdorf einen Tramwayfahrer niedergestochen und lebensgefährlich verletzt hatte. (APA, 30.10.2014)

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