Asiatische Pilzerkrankung gefährdet europäische Schwanzlurche

8. November 2014, 12:10
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Der Pilz Batrachochytrium salamandrivorans dürfte über den Tierhandel eingeschleppt worden sein

Gent - Eine Pilzerkrankung könnte den Beständen europäischer Salamander und Molche gefährlich werden. Der Hautpilz wurde vermutlich über den Tierhandel aus Asien eingeschleppt, wie ein internationales Forscherteam im Fachmagazin "Science" berichtet. In den Niederlanden und in Belgien kam es bereits mehrfach zu Ausbrüchen der Erkrankungen, vor allem Feuersalamander waren stark betroffen.

Belgische Wissenschafter hatten bereits vergangenes Jahr den Pilz Batrachochytrium salamandrivorans als Ursache des mysteriösen Sterbens ausgemacht. In der nun vorgestellten Studie haben sie die Gefährlichkeit und Verbreitung des Erregers genauer untersucht.

Nur Schwanzlurche betroffen

Dazu infizierten sie zunächst 35 Arten von Froschlurchen, Schwanzlurchen und Schleichenlurchen absichtlich mit der Pilzerkrankung. Nur Schwanzlurche, zu denen Salamander und Molche gehören, erkrankten aber tatsächlich, viele davon starben. Um festzustellen, wie verbreitet der Pilz im Freiland ist, untersuchten die Forscher anschließend die Haut von mehr als 5.000 Amphibien von vier Kontinenten auf genetische Pilzspuren. Wiederum wurden sie nur bei den Schwanzlurchen fündig. Und zwar nur bei Exemplaren aus Ostasien, denen der Pilz offenbar keine Probleme bereitet, und bei Tieren aus den Niederlanden und Belgien.

Weitere Experimente zeigten, dass einige asiatische Salamander eine Infektion überstehen und erfolgreich bekämpfen können. Dies spricht dafür, dass der Pilz ursprünglich aus Asien stammt und sich die dortigen Schwanzlurche bereits angepasst haben, so die Forscher. Für diese Annahme spricht auch, dass der Pilz unter anderem bei hundertjährigen ostasiatischen Museumsexemplaren gefunden werden konnte. Die Wissenschafter vermuten, dass der Pilz über den Tierhandel nach Europa gelangte.

Expansion des Tierhandels

"Diese Studie zeigt, welche Gefahr besteht, wenn exotische Spezies ohne ein angemessenes Screening auf Infektionskrankheiten importiert werden", sagte der beteiligte Wissenschafter Matthew Fisher vom Imperial College London. "B. salamandrivorans bedroht die Vielfalt unter den europäischen Amphibien, und die betroffenen Länder müssen dringend Maßnahmen ergreifen, um die weitere Ausbreitung dieses und anderer Krankheitserreger zu verhindern."

Asiatische Salamander und Molche werden weltweit für die private Tierhaltung verschickt und verschifft. Nach Angaben der an der Studie beteiligten Universität Zürich wurden allein in die USA zwischen 2001 und 2009 über 2,3 Millionen Feuerbauchmolche transportiert.

B. salamandrivorans ist bereits der zweite Pilz, der sich weltweit rasant verbreitet und Amphibien gefährdet: Seit einigen Jahrzehnten breitet der sogenannte Chytridpilz Batrachochytrium dendrobatidis aus, der Frösche, Kröten, Molche und andere Amphibien befallen kann. (APA/red, derStandard.at, 8.11.2014)

  • Ein mit B. salamandrivorans befallener Feuersalamander. Im Maulbereich sind bereits deutlich Läsionen zu erkennen.
    foto: frank pasmans

    Ein mit B. salamandrivorans befallener Feuersalamander. Im Maulbereich sind bereits deutlich Läsionen zu erkennen.

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