Dominante Raben stören soziale Beziehungen ihrer Konkurrenten

30. Oktober 2014, 18:25
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Forscher fanden heraus, wie Tiere durch gezielte Aktionen ihre Machtposition abzusichern versuchen

Wien - Dass Raben außerordentlich intelligent sind, ist mittlerweile längst bekannt. Diesen Rückschluss lässt auch ihr Sozialverhalten zu: Die Tiere schließen sich häufig zu Gruppen zusammen, in denen sie um Machtverhältnisse konkurrieren. Wer gute soziale Beziehungen und Allianzen besitzt, führt die Gruppe an.

Doch die Konkurrenz schläft nicht, daher Versuchen Anführer offenbar, ihre Machtpositionen auch für die Zukunft abzusichern: Kognitionsbiologen der Universität Wien und der Konrad Lorenz Forschungsstelle Grünau konnten nun zeigen, dass Raben strategisch in die Beziehung anderer einzugreifen versuchen, indem sie diese immer wieder bei soziopositiven Interaktionen stören.

Thomas Bugnyar und sein Team untersuchen das Sozialverhalten wildlebender Kolkraben in den österreichischen Alpen bereits seit Jahren. Sie beobachteten, dass bestimmte Vögel durch gegenseitiges Kraulen Beziehungen knüpfen, die auch als Allianzen in Konflikten fungieren. Sie fanden aber auch heraus, dass freundliches Kraulen zweier Raben immer wieder von anderen Raben gestört wurde. Obwohl in etwa der Hälfte der Fälle so die freundliche Interaktion beendet werden konnten, kam es auch immer wieder dazu, dass der Angreifer gewaltsam vertrieben wurde.

Nichts dem Zufall überlassen

Es ist daher nicht verwunderlich, dass die Interventionen alles andere als zufällig abliefen: Vor allem jene Raben, die bereits über gute Beziehungen verfügten, mischten sich bei anderen ein und zielten dabei auf jene Raben ab, die gerade dabei waren, eine neue Beziehung zu etablieren. "Weil gut in die Gruppe eingebundene Raben soziale Macht haben, können sie sich solche riskanten Manöver leisten", erklärt der Erstautor der Studie, Jorg Massen. "Dabei greifen sie gezielt bei jenen Vögeln ein, die gerade dabei sind, eine neue Allianz zu festigen und somit eine mögliche Konkurrenz werden könnten."

Massen streicht aber heraus, dass zum Zeitpunkt der Interventionen die betroffenen Vögel noch keine unmittelbare Gefahr für das Machtgefüge der sich Einmischenden darstellen. Es sehe ganz danach aus, als ob Raben ständig die Beziehungen anderer beobachteten und wüssten, wann es zu handeln gelte, um mögliche zukünftige Probleme zu verhindern. Sie agieren nicht gleich bei jedem 'Flirt', aber warten auch nicht, bis es zu spät ist." Ein derartiges Vorgehen sei bis jetzt noch bei keiner Tierart beschrieben worden, so der Forscher. (red, derStandard.at, 30.10.2014)

  • Wenn sich zwei mögen, stört das den Dritten.
    foto: jorg massen

    Wenn sich zwei mögen, stört das den Dritten.

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