AUVA-Obfrau Römer tritt nach vernichtendem Prüfbericht zurück

30. Oktober 2014, 19:01
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Renate Römer wird Sonderbeauftragte der Wirtschaftskammer für die Berufsmeisterschaften

Wien - Die Obfrau der Unfallversicherungsanstalt (AUVA), Renate Römer, war sich noch vor drei Wochen trotz eines kritischen Prüfberichts des Gesundheitsministeriums keiner Schuld bewusst. Damals dachte sie auch nicht daran, sich zurückzuziehen. In einem Statement auf Anfrage schrieb sie von "unberechtigten Vorwürfen", die zu entkräften es höchste Zeit sei.

Nun tritt Römer doch zurück beziehungsweise einen neuen Job an. Sie wird mit 1. November Sonderbeauftragte der Wirtschaftskammer für die Berufsmeisterschaften ("Euroskills", "Worldskills"), wie WKO-Präsident Christoph Leitl am Donnerstag bei einem Pressegespräch mitteilte. Und zwar ehrenamtlich, "ohne Bezahlung oder Funktionsentschädigung durch die Wirtschaftskammer, wie die Kammer betont. Jüngste Vorwürfe über Ungereimtheiten in der AUVA mit einem Budget von 1,3 Milliarden Euro hätten damit nichts zu tun, versicherte Leitl.

Leitl: Alles sauber

Es sei "klargestellt worden, dass rechtlich alles in jeder Hinsicht korrekt" abgelaufen sei, sagte Leitl. Es gebe keinerlei Zusammenhänge zwischen Römers Abgang und den Vorwürfen, ergo sei auch "schlechtes Gewissen" sicherlich nicht der Grund. An der AUVA sei "nächstes Jahr eh ein Wechsel" angestanden, der werde nun eben früher vollzogen.

Der vom Gesundheitsministerium erstellte Prüfbericht spricht eine andere Sprache als der Wirtschaftskammerchef. Römer wird vorgeworfen, mehrere Aufträge ohne Ausschreibung vergeben zu haben. Besonders pikant ist eine Zahlung von 89.000 Euro an ihren Lebensgefährten, nachdem Römer den Auftrag "mündlich erteilt" habe, wie es im Bericht heißt. Später erfolgten weitere Zahlungen.

Zahlungen an VP-nahen Verein

Da die Vergabe somit nicht den Vorgaben entspreche, sollen Rückforderungsansprüche an die Obfrau gestellt werden, meinen die Prüfer in ihrem Rohbericht, der derStandard.at exklusiv vorliegt. Ebenfalls refundieren soll Römer demnach private Fahrten mit dem Dienstwagen sowie Kosten für Managementkurse, an denen ein externer Mitarbeiter auf ausdrücklichen Wunsch Römers teilnahm.

Zudem brachte der Prüfbericht ans Licht, dass der ÖVP-Abgeordnete Werner Amon eine Zuwendung der AUVA von 40.000 Euro für den Verein "Sicherheitsgentur" durchsetzte, dessen Gründungsmitglied er war. Ein Mitarbeiter Amons war Vereinsobmann. Im Unterschied zu den Prüfern betonte die AUVA, die vereinbarte Leistung sei von dem Verein sehr wohl erbracht worden.

Grüne Wirtschaft: Rücktritt "überfälliger Schritt"

Für den Bundessprecher der Grünen Wirtschaft, Volker Plass, setzt Römer mit dem Rücktritt einen "längst überfälligen Schritt". "Offenbar hat Leitl knapp vor Beginn des Wirtschaftskammer-Wahlkampfs die Notbremse gezogen", erklärte er am Donnerstag.

Römer selbst bestätigte ihren Abgang kurz nach Leitls Äußerungen in einer Presseaussendung. Sie wolle sich der neuen Aufgabe "mit meiner ganzen Kraft" widmen und habe Leitl daher gebeten, "mich von meinen bisherigen Aufgaben zu entbinden". Dies betrifft neben dem AUVA-Job auch ihre Position als Vizepräsidentin der WKÖ.

Römer: "Ganze Kraft für neue Aufgabe"

Ihr Ziel sei es, mit "Euroskills" die "Erfolge unseres Teams noch sichtbarer zu machen und damit die Attraktivität der Lehrberufe insgesamt zu steigern", erklärte Römer laut einer Aussendung. Leitl selbst wünscht sich bei der Berufsweltmeisterschaft nächstes Jahr in Brasilien wieder "Stockerlplätze".

Die Wirtschaftskammer ist für das Coaching und die Entsendung des österreichischen Teams zu den internationalen Berufswettbewerben sowie für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich.

Die Frage der Nachfolge Römers soll im Laufe des Novembers geklärt werden. Römer bleibt nämlich noch bis 25. November "formell" im Amt. (as/APA, derStandard.at, 30.10.2014)

  • Renate Römer sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert und verlässt die AUVA.
    foto: kfv

    Renate Römer sieht sich mit Vorwürfen konfrontiert und verlässt die AUVA.

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