USA wollten Roman Polanski in Polen verhaften lassen

30. Oktober 2014, 11:51
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Antrag wurde abgelehnt: Er war nicht ins Polnische übersetzt worden

Warschau - Die USA haben versucht, Roman Polanski in Polen verhaften zu lassen: Der Regisseur hatte in Warschau vor wenigen Tagen der Einweihung der Hauptausstellung des Museums der Geschichte der polnischen Juden beigewohnt. Das berichtet am Donnerstag die polnische "Gazeta Wyborcza" unter Berufung auf eine Quelle aus dem polnischen Justizministerium.

Der 81-jährige Polanski, sowohl polnischer als auch französischer Staatsbürger, wird von der amerikanischen Polizei seit 1977 gesucht. Die US-Justiz legt ihm zur Last, damals eine Minderjährige sexuell missbraucht zu haben.

Antrag entsprach nicht den Kriterien

Der Antrag des amerikanischen Justizministeriums sei jedoch aus formalen Gründen vorläufig abgewiesen worden, da er nicht den Kriterien entsprochen habe: er sei nicht ins Polnische übersetzt gewesen, schreibt die Zeitung unter Berufung auf einen hohen Repräsentanten des polnischen Ministeriums. Eine offizielle Bestätigung gab es dazu bisher nicht. Schon 2010 hatte Polen eine Auslieferung abgelehnt, weil das Delikt nach polnischem Gesetz bereits verjährt wäre.

Polanski hatte in Paris erst kürzlich im Theatre Mogador am Montmartre die französische Version des VBW-Musicals "Tanz der Vampire" unter großem Medieninteresse inszeniert, das er 1997 im Wiener Raimund Theater zur Uraufführung gebracht hatte.

Mit Fußfesseln im Hausarrest

Polanski ist der US-Justiz bereits einmal knapp entronnen: Im Herbst 2009 war er auf dem Weg zum Zurich Film Festival bei der Einreise in die Schweiz festgenommen worden. Nach seiner "provisorischen Auslieferungshaft" wurde er mit elektronischen Fußfesseln in den Hausarrest entlassen. Im Juli 2010 lehnte die Schweiz den Auslieferungsantrag ab. Nach knapp einem Jahr war Polanski wieder frei. (APA, 30.10.2014)

  • Roman Polanski bei der Einweihung der Hauptausstellung des Museums der Geschichte der polnischen Juden am 28. Oktober in Warschau: Bei dieser Gelegenheit wollten die USA ihn festnehmen lassen.
    foto: epa/radek pietruszka

    Roman Polanski bei der Einweihung der Hauptausstellung des Museums der Geschichte der polnischen Juden am 28. Oktober in Warschau: Bei dieser Gelegenheit wollten die USA ihn festnehmen lassen.

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