Landung im Federbett

31. Oktober 2014, 16:08
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Die Viennale zeigt mit "Magic in the Moonlight", den dürftigsten Film, den Allen seit einer Weile gemacht hat

Woody Allen war lange Zeit so etwas wie das "missing link" zwischen auseinanderstrebenden Teilen des Weltkinos: ein jüdischer Intellektueller aus New York, der das universale Idiom der Selbstironie (oder doch der Larmoyanz?) zu neuen Höhen brachte. Er wollte seriös sein, das Publikum aber wollte den komischen Woody. Er wollte sich neu erfinden, entkam aber der Marke nicht, zu der er geworden war. Halb Hollywood, halb Independent, fanden seine Filme unfehlbar den Weg in die Programmkinos und in die Säle in Shoppingmalls.

Heute hat er es sich in seinem Dilemma gemütlich gemacht. Er macht gediegenes Cameo-Kino, in dem Platz ist für viele kleine oder größere Auftritte von Stars, die gerade angesagt sind. In Magic in the Moonlight trifft Colin Firth auf Emma Stone, also ein echter Gentleman auf ein Fräulein Naseweis. Er ist Zauberkünstler, sie ist ein Medium. Er gaukelt etwas vor, sie hat tatsächlich Kontakt zum Jenseits. So glaubt er zumindest für einen Moment. Französische Küstenstraßen und edle Landgüter bilden die Szenerie, dazu gibt es den Dixiejazz, der die Periode indiziert: die goldenen Jahre des frühen 20. Jahrhunderts, als Patrizier aller Länder einander an schönen Orten heitere Streiche spielten.

Die Viennale hat für Magic in the Moonlight, den dürftigsten Film, den Allen seit einer Weile gemacht hat, zweimal das Gartenbau reserviert. Ist das Reverenz an eine Filmkultur, die es zwar nicht mehr gibt, die aber nostalgisch doch noch beschworen werden kann? Oder einfach ein Federbett für ein Festival, das gern weich landen möchte? Das Bett steht in einem Durchhaus, über dem Woody Allen den Mond aufgehen lässt. Magie ist, wenn man trotzdem an das Kino glaubt. (Bert Rebhandl, DER STANDARD, 31.10.2014)

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