Die allerschwerste Aufgabe im Leben

31. Oktober 2014, 16:03
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Späte Entdeckung: Der dänische Regisseur Nils Malmros und sein Drama "Sorg og glæde / Sorrow and Joy"

Ein Mann kommt eines Abends in sein Heim zurück. Die Stimmung ist irgendwie gespenstisch, aber der Mann bleibt seltsam gefasst, selbst als er erfährt, was sich in seiner Abwesenheit in seiner kleinen Familie Unerhörtes zugetragen hat.

Der Mann, Johannes (Jakob Cedergren), ist von Beruf Filmregisseur. Er hat es zu einigem Renommee gebracht, seine Filme sind auf internationalen Festivals vertreten. Seine Ehe mit der Volksschullehrerin Signe (Helle Fagralid) war eine Liebesheirat. Aber die Beziehung ist nicht ganz unbelastet von Signes psychisch labiler Verfassung, von einem gewissen Klassen- und Bildungsgefälle zwischen den beiden und von der Tatsache, dass Signe sich deshalb von Johannes' mitunter bevormundender Art negativ beeinflussen lässt.

Das alles und mehr wird in Sorg og glæde / Sorrow and joy in Form von Rückblenden nach und nach aufgerollt, auf virtuose Art inszeniert und bemerkenswert frei von schnellen Schlussfolgerungen erzählt. Das Ereignis vom Beginn ist ein Ausgangs-, aber keineswegs der Endpunkt dieses außergewöhnlichen Films, den sein Regisseur Nils Malmros als einen Film bezeichnet, der davon handelt, "das Lieben zu lernen".

Würdigung in Rotterdam

Beim Festival in Rotterdam war dem 1944 in Århus geborenen Dänen heuer eine Werkschau gewidmet. Trotz einiger internationaler Anerkennung ist dieses in den letzten vierzig Jahren entstandene Werk nämlich außerhalb Dänemarks inzwischen in Vergessenheit geraten - vom Aufwind durch die Dogma-Generation hat Malmros nicht profitiert. Und so schön es ist, dass Sorg og glæde nun - in Begleitung seines Regisseurs - auch nach Wien geladen wurde, so toll wäre es gewesen, wenn bei dieser Gelegenheit gleich noch mehr seiner Arbeiten den Weg hierher gefunden hätten.

Und zwar vor allem, weil sich dabei von Film zu Film tatsächlich ein Werk erschließt, das um bestimmte Sujets und Erfahrungen kreist, diese bis zum vorläufig letzten Spielfilm Sorg og glæde variiert und erweitert: die Dynamiken zwischen den Generationen und Geschlechtern, die Beziehungen innerhalb von Kleinfamilienverbänden, der Lebensabschnitt der Adoleszenz.

Zumindest Skønheden og udyret / Beauty and The Beast hätte mit ins Viennale-Programm gehört - jener Film aus dem Jahr 1983, der für Sorg og glæde einen konkreten (biografischen) Bezugspunkt darstellt. Aber vielleicht holt das ja mal jemand nach. (Isabella Reicher, DER STANDARD, 31.10.2014)

31. 10., Gartenbau, 18.00; 1. 11., Urania, 15.30

  • Regisseur und Darstellerin nehmen beim Filmfestival Ovationen entgegen: Jakob Cedergren und Maja Dybboe.
    foto: viennale

    Regisseur und Darstellerin nehmen beim Filmfestival Ovationen entgegen: Jakob Cedergren und Maja Dybboe.


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