Abfertigungen: AUA wieder in Verlustzone

30. Oktober 2014, 13:12
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Operativer Verlust von sieben Millionen Euro nach neun Monaten - Neuer Bord-KV soll am Freitag unterschrieben werden

Wien/Schwechat - Die Austrian Airlines (AUA) ist wieder in den roten Zahlen. Bis Ende September hat sich ein operativer Verlust von 7 Mio. Euro angehäuft, wie Donnerstagfrüh mitgeteilt wurde. 2013 hielt die Airline nach neun Monaten bei einem Gewinn von 19 Mio. Euro. Der Grund für das Absacken: Die AUA hat nach der Einigung mit dem Bordbetriebsrat erneut zig Millionen für Abschlagszahlungen zur Seite gelegt.

Der Rückgang um 26 Mio. Euro "steht vor allem im Zusammenhang mit Einmaleffekten aus der bilanziellen Berücksichtigung von Abfertigungszahlungen für das Flugbetriebspersonal der Tyrolean Airways", so dieAUA in ihrer Aussendung. Wie viel die AUA ihren Piloten und Flugbegleitern zahlen wird, damit diese ihre Klagen gegen den umstrittenen Betriebsübergang vor zwei Jahren fallen lassen, wird von Vorstand und Betriebsrat noch unter Verschluss gehalten.

Der neue Kollektivvertrag (KV) für alle rund 3.000 Flugbegleiter und Piloten der Austrian Airlines (AUA) soll am jedenfalls am Freitag unterschrieben werden. Noch am Donnerstag soll er komplett ausformuliert sein, sagteAUA-Chef Jaan Albrecht am Donnerstag in einer Telefonkonferenz mit Journalisten. Vor drei Wochen hatten sich die Verhandler auf die Eckpunkte des KV geeinigt. Nächste Woche sollen die Mitarbeiter über die Details des Vertrages informiert werden. Gelten soll er ab 1. Dezember.

Rückstellungen

Unter den Mitarbeitern ist aber klar, dass die Abschlagszahlungen deutlich über dem letzten öffentlichen Angebot vom Mai liegen müssen, erfuhr die APA von einem AUA-Piloten. Der damalige Vorschlag sah pro Kapitän bis zu 305.000 Euro vor, für Flugbegleiter rund 15.000. In Summe wäre es schon damals um einen "erheblichen doppelstelligen Millionenbetrag" gegangen, wie es hieß. Wie viel die AUA nun tatsächlich zur Seite legt, wird noch nicht verraten, bereits zum Halbjahr wurden Rückstellungen gebildet.

Nachdem der Europäische Gerichtshof (EuGH) die AUA für ihr Vorgehen gegen das Flugpersonal verurteilt hat und Drohszenarien wie das Aus der Langstrecke auftauchten, einigten sich Bordbetriebsrat und Management auf Eckpunkte für einen neuen Konzernkollektivvertrag (KV) für das fliegende Personal. Der KV soll noch bis Ende Oktober ausformuliert sein und ab 1. Dezember gelten.

Gewinnprognose gekappt

Wegen des Streits mit den Piloten muss die Lufthansa-Tochter auch ihre Gewinnprognose für 2014 kappen. Die Airline erwartet nun für das Gesamtjahr nur noch ein leichtes operatives Plus, bisher ging man davon aus, das Vorjahresergebnis von 25 Mio. Euro zumindest halten zu können. AUA-Boss Jaan Albrecht kommentierte: "Ich bin mit dem finanziellen Ergebnis naturgemäß nicht zufrieden. Gleichzeitig freue ich mich darüber, dass wir mit der Grundsatzeinigung eine Lösung für unsere Zukunft gefunden haben."

Zu schaffen machen der AUA auch die weltweiten Krisenherde. Charkow (Charkiw) und Rostow sind wegen des Ukraine-Konflikts eingestellt und im Nahen Osten bleiben die Destinationen Bagdad, Tripolis und Damaskus wohl noch länger ausgesetzt, heißt es in der Aussendung. Die operativen Gesamterlöse sind in den ersten neun Monaten um 1,6 Prozent auf 1,64 Mrd. Euro gesunken. Die Kosten blieben stabil. Der Personalstand sank von 6.222 auf 6.188 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen.

Lufthansa senkt Gewinnausblick

Auch die deutsche Mutter hat zu kämpfen: Die Lufthansa senkt zum zweiten Mal ihren Gewinnausblick für das nächste Jahr. Statt bisher 2 Mrd. Euro operativen Gewinns werde neu für 2015 nur noch ein Ergebnis "deutlich über dem diesjährigen" erwartet. "Die absehbare Eintrübung der Konjunktur und wettbewerbsbedingt sinkende Durchschnittserlöse im Passagiergeschäft werden unsere Rahmenbedingungen im kommenden Jahr prägen", begründete Finanzchefin Simone Menne den Schritt.

Am Ausblick von 1 Milliarde Euro operativem Gewinn für 2014 hält Europas größter Luftfahrtkonzern hingegen fest. In den ersten drei Quartalen sei die Kennzahl um 28 Prozent auf 849 Mio. Euro gestiegen. Analysten hatten mit 823 Mio. Euro gerechnet.

Die Streiks in diesem Jahr, vor allem die Arbeitsniederlegungen der Piloten, haben insgesamt mit 170 Mio. Euro zu Buche geschlagen. Falls noch weiter gestreikt würde, hätte das Einfluss auf die Prognose für dieses Jahr, sagte Menne. Die Piloten bestreiken die Lufthansa seit April und haben seitdem acht Mal die Arbeit niedergelegt. Eine Lösung des Tarifkonflikts ist bislang nicht in Sicht. Auch Konkurrent Air France-KLM litt im vorigen Quartal unter Arbeitsniederlegungen der Piloten. Der Schaden bei Europas zweitgrößter Airline beläuft sich auf eine halbe Milliarde Euro. (APA, 30.10.2014)

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