Palästinenser rufen zu "Tag des Zorns" auf

31. Oktober 2014, 08:24
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Abbas betrachtet israelisches Vorgehen nach Anschlag auf jüdischen Extremisten als "Kriegserklärung"

Jerusalem/Ramallah - Nach der Erschießung eines mutmaßlichen palästinensischen Attentäters in Jerusalem durch die israelische Polizei hat die Fatah-Partei von Präsident Mahmoud Abbas für Freitag zu einem "Tag des Zorns" aufgerufen. Abbas selbst erklärte am Donnerstag, das israelische Vorgehen sei "gleichbedeutend mit einer Kriegserklärung".

Der Donnerstagfrüh getötete Palästinenser wurde verdächtigt, am Vorabend einen jüdischen Rechtsextremisten durch Schüsse schwer verletzt zu haben. In Ostjerusalem war es nach seinem Tod zu Krawallen gekommen, die die Furcht vor einem neuen Palästinenseraufstand schürten. Auch in der Nacht auf Freitag kam es zu Ausschreitungen.

Tempelberg wieder geöffnet

Nach der Abriegelung des Jerusalemer Tempelbergs hat Israel das Felsplateau am Donnerstagabend wieder geöffnet. Für Männer unter 50 Jahren war der Zugang zu dem für Muslime heiligen Felsendom und der Al-Aksa-Moschee laut Polizei aber weiterhin verboten.

Die Regelung trat wenige Stunden vor dem muslimischen Freitagsgebet in Kraft. Der Tempelberg war am Donnerstag erstmals seit 1967 vollständig abgeriegelt worden. Es folgte eine Gewalteskalation, die an den Beginn der zweiten Intifada, den palästinensischen Volksaufstand im Jahr 2000, erinnerte.

Attentatsopfer weiter in Lebensgefahr

Das Attentatsopfer Yehuda Glick schwebte am Donnerstagabend weiter in Lebensgefahr. er war am Mittwochabend vor dem Begin-Center niedergeschossen worden, nachdem er dort einen Vortrag über jüdische Ansprüche auf den Tempelberg gehalten.

Der mutmaßliche Attentäter sei bei einem Schusswechsel mit Sicherheitskräften getötet worden, schrieb Polizeisprecher Micky Rosenfeld am Donnerstag auf Twitter.

Der mutmaßliche Attentäter wurde Polizeiangaben zufolge erschossen.

Zahlreiche Zusammenstöße

Das Attentat ereignete sich inmitten zunehmender Spannungen in Jerusalem und den Palästinensergebieten. Seit Wochen kommt es immer wieder zu Zusammenstößen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften.

Die Polizei bereitet sich auf Racheakte radikaler jüdischer Siedler vor. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu rief die Israelis auf, keine Selbstjustiz zu üben. Er habe Maßnahmen angeordnet, um die Sicherheit in Jerusalem und den Status quo der heiligen Stätten aufrechtzuerhalten. Zunächst sei es nötig, "die Flammen zu löschen", sagte Netanjahu. "Keine Seite sollte das Recht selbst in die Hand nehmen."

Der Chef der extrem rechten Siedlerpartei, Wirtschaftsminister Naftali Bennett, sagte, mit den Schüssen im Herzen Jerusalems sei "eine rote Linie aus Blut" überschritten worden. Für Donnerstag haben rechtsorientierte jüdische Aktivisten zu einem Marsch zum Tempelberg-Gelände aufgerufen.

UN-Außenpolitikchef warnt vor neuen Spannungen

Israel hatte am Montag den Bau neuer Wohnungen in Ostjerusalem angekündigt, was die Stimmung zusätzlich angeheizt hatte. "Die Wunden des verheerenden Gaza-Konflikts beginnen gerade erst zu heilen", sagte UN-Außenpolitikchef Jeffrey Feltman am Mittwoch auf einer Dringlichkeitssitzung des Sicherheitsrats in New York. "Beide Seiten können sich einseitige Aktionen, die nur wieder die Spannungen verschärfen, nicht leisten." Die Siedlungen würden gegen das Völkerrecht verstoßen, sagte Feltman. Gleichzeitig verurteilte er aber auch die Gewalt der Palästinenser.

Israel hatte am Montag den Bau von 1.000 weiteren Wohnungen in Ostjerusalem sowie zwölf neuer Straßen angekündigt. Die Palästinenser beanspruchen Ostjerusalem als künftige Hauptstadt und fürchten, dass der Siedlungsbau das erheblich erschweren könnte. (APA, 30.10.2014)

  • Eine Polizeiabsperrung nahe dem Tatort in Jerusalem.
    foto: epa/abir sultan

    Eine Polizeiabsperrung nahe dem Tatort in Jerusalem.

  • Ausschreitungen zwischen Palästinensern und der israelischen Polizei am Donnerstag im Jerusalemer Stadtteil Abu Tor.
    foto: reuters/ammar awad

    Ausschreitungen zwischen Palästinensern und der israelischen Polizei am Donnerstag im Jerusalemer Stadtteil Abu Tor.

  • Auch Tränengas wurde eingesetzt.
    foto: reuters/ammar awad

    Auch Tränengas wurde eingesetzt.

  • Rettungskräfte bei dem Haus des mutmaßlichen Attentäters in Abu Tor.
    foto: ap photo/mahmoud illean

    Rettungskräfte bei dem Haus des mutmaßlichen Attentäters in Abu Tor.

  • Der Tempelberg bleibt vorerst geschlossen.
    foto: apa/epa/weiken

    Der Tempelberg bleibt vorerst geschlossen.

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