Gewinn aus Abschluss schmilzt Metallern weg

29. Oktober 2014, 17:52
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Löhne und Gehälter steigen bei den Metallern um 2,1 Prozent. Real bringt der Abschluss den Menschen wenig, Hauptgewinner ist der Staat

Wien - Für Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) ist es "ein guter Kompromiss", für Arbeits- und Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) "ein sehr gutes Ergebnis": Die in der Nacht auf Mittwoch erzielte Lohnerhöhung für 120.000 Beschäftigte in der Maschinen- und Metallwarenindustrie um 2,1 Prozent. Bei einer Inflation von 1,7 Prozent entspricht dies einem Bruttoreallohnplus von 0,4 Prozentpunkten.

Der Bruttomindestlohn, drei Verhandlungsrunden lang Anlass für Zank und Hader, steigt von 1688 auf 1724 Euro. Auch Lehrlingsentschädigungen werden um 2,1 Prozent erhöht, während Zulagen nur um 1,7 Prozent steigen. Damit orientiert sich der Zuwachs bei Gehältern und Löhnen an der österreichischen Inflation. Mit ihrer Forderung, doch die deutlich niedrigere EU-Teuerungsrate heranzuziehen, sind die Arbeitgeber rund um Veit Schmid-Schmidsfelden abgeblitzt.

Wie viel den Beschäftigten der Maschinen- und Metallwarenindustrie, der größten Sparte des Metallsektors, netto bleibt, hängt vom jeweiligen Einkommen ab. Volkswirt Marcus Scheiblecker vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) geht davon aus, dass von der Lohnerhöhung durch die Wirkung der Steuerprogression real nicht viel übrig bleiben wird. "Viel Kaufkraft wird es nicht bringen, allerdings wird es dem Budget was bringen", sagte Scheiblecker im Ö1-Mittagsjournal. Die Stärkung der Kaufkraft war stets das wichtigste Argument von Metallgewerkschaftschef Rainer Wimmer für eine "angemessene" Lohnerhöhung gewesen.

Sozialminister ortet Gewinn für die Menschen

Sozialminister Rudolf Hundstorfer sprach dennoch von einem "Gewinn für die Menschen". Mit den 2,1 Prozent "hat man einen effektiven Reallohngewinn", rechnete Hundstorfer vor. Sein Sozialpartnerwiderpart Wirtschaftsminister Mitterlehner lobte, "dass es ein vernünftiger Kompromiss ist, der den betroffenen Unternehmen Planungssicherheit in schwierigen Zeiten ermöglicht."

Als Richtschnur für andere Kollektivvertragsverhandlungen taugt der nach elfstündigem Sitzungsmarathon in der Wirtschaftskammer erzielte Kompromiss nur bedingt. Er werde in anderen Branchen nur verwässert ankommen, schätzt Wifo-Experte Scheiblecker, aber "versuchen wird man in allen anderen Branchen auch, über der Inflationsrate abzuschließen". Zu beweisen ist dies in den nächsten Wochen ausnahmsweise nicht bei den rund 500.000 Handelsangestellten. Sie haben im Vorjahr ein neues KV-Schema und einen Doppelabschluss für 2014 und 2015 ausgehandelt. Zur Erinnerung: Bis zur Schwelle von 1850 Euro stiegen die Handelsgehälter 2014 um 2,55 Prozent, darüber um 2,5 Prozent. Im Jahr 2015 errechnet sich das Gehaltsplus aus der durchschnittlichen Inflation (von Oktober 2013 bis September 2014) und einem Aufschlag von 0,4 Prozent. Angesichts des diesjährigen Metaller-Abschlusses und der aktuellen Konjunkturdelle erweist sich der Vorjahresabschluss als quasi zukunftsweisend.

Preisentwicklung als Maßstab

Zurück zu Maschinen/Metallindustrie. Nicht aufgegangen ist für Wifo-Arbeitsmarktexpertin Christine Mayrhuber die Argumentation der Arbeitgeberseite, nicht die Preisentwicklung in Österreich als Maßstab anzulegen, sondern den EU-Durchschnitt. "Wenn man schon mit Europa argumentiert, dann müsste man auch die Perspektive einnehmen, dass gerade Deutschland, aber auch Österreich quasi auf Kosten der anderen Länder die Exporte getätigt haben", so Mayrhuber. In Deutschland wird übrigens genau umgekehrt argumentiert: Die Lohnzurückhaltung in der Vergangenheit habe dazu geführt, dass die EU-Südländer keine Möglichkeit hatten, diesen Vorsprung aufzuholen.

Metallgewerkschafter Wimmer zeigte sich zufrieden, Maschinen/Metall-Fachverbandsobmann Christian Knill nannte den Abschluss "gerade noch vertretbar". (ung, APA, DER STANDARD, 30.10.2014)

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