Präsidentschaftskandidat: "Rumänien verdient besseres Image"

Interview30. Oktober 2014, 05:30
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Klaus Johannis will am Sonntag rumänischer Präsident werden. Seinen Gegnern wirft er vor, in der EU zu wenige Akzente zu setzen

STANDARD: Sie sind seit 2000 Bürgermeister von Sibiu und erst seit rund zwei Jahren in der Zentralpolitik aktiv. Um es mit Ihrem Gegenkandidaten zu sagen - warum diese schöne Stadt verlassen?

Johannis: Ich denke, dass ich in Hermannstadt gezeigt habe, dass ich etwas bewegen kann. Ich bin jetzt bereit, ein bisschen mehr zu tun. Hermannstadt ist durchaus meine Visitenkarte: Ganz im Unterschied zu jenen anderer Kandidaten kann sie sogar besichtigt werden.

STANDARD: Könnte es für Sie ein Nachteil sein, dass Sie der deutschen Minderheit angehören und protestantisch sind?

Johannis: Ich bin natürlich rumänischer Staatsbürger, ich bin Rumäne. Dass ich ethnisch Deutscher bin und auch nicht orthodox, sondern evangelisch A.B., betrachte ich, wie auch die meisten Wähler, nicht als Nachteil. Die Leute sind an ganz anderen Dingen interessiert - wie man die Infrastruktur voranbringt, wie man das Schulsystem verbessert, wie man das Gesundheitswesen verbessert, wie man die Pensionen sichert usw.

STANDARD: Ihr Slogan lautet "Das Rumänien der gründlich erledigten Arbeit". Versuchen Sie, mit einer "deutschen Arbeitsmoral" zu punkten?

Johannis: Man muss wissen, in Hermannstadt ist bloß ein Prozent der Bevölkerung deutsch. Die Wahlergebnisse, die ich hatte, kommen natürlich von den ethnisch rumänischen Mitbürgern. Diese deutschen Tugenden sind eine Art Mythos. Aber wenn manche Wähler denken, dass es sie gibt, wenn sie als positiv betrachtet werden und mir das zugutekommt, werde ich dem natürlich nicht widersprechen. Persönlich glaube ich aber nicht an eine ethnische Prädeterminierung. Das, denke ich, ist nicht wirklich vertretbar.

STANDARD: Laut Statistiken genießt Rumänien bei EU-Partnern das niedrigste Vertrauen. Wie erklärt sich das?

Johannis: Rumänien hat ein schlechteres Image, als es verdient, tut aber leider oft nicht viel dazu, es zu verbessern. Unsere Politik innerhalb der EU oder der Nato ist allgemein eine reaktive - wir machen zwar mit, aber wir kommen selten mit eigenen Ansätzen. Ich stelle immer wieder fest: Delegationen oder Einzelpersonen, die aus dem Ausland nach Rumänien kommen, sind ausnahmslos positiv überrascht.

STANDARD: Sie nennen Rumänien "das Land der stummen Mehrheit". Was meinen Sie damit?

Johannis: Es wird bei uns in der Politik einfach zu viel geredet und zu wenig gehandelt. Es gibt zu viel Show und zu wenige Lösungen, zu viel steriles Gerede und zu wenig wirklich echte Arbeit. Das führt dazu, dass viele Leute auch in Rumänien diese ganze Politik satthaben. Was natürlich schlecht ist. Was ich vorschlage, ist eine viel seriösere Politik. Einfacher, bürgernah, lösungsorientiert. Dann werden auch die vielen, die nicht mitreden, wieder an die Politik herankommen.

STANDARD: Was ist Ihr Projekt für die Roma?

Johannis: Da gibt es eine einzige Variante, auf die man setzen kann: Integration durch Erziehung. Das heißt: Schule, Schule, Schule. Dann klappt's auch. So wie Schule erst über Generationen Resultate bringt, wird auch die Integration der Roma über Generationen eine Tatsache werden. Wenn man von heute auf morgen Ergebnisse anstrebt oder erwartet, ist die Enttäuschung natürlich groß. (Laura Balomiri, DER STANDARD, 30.10.2014)

foto: epa/rosca mircea
Klaus Johannis (55) ist Chef von Rumäniens Nationalliberaler Partei und seit dem Jahr 2000 Bürgermeister von Sibiu (Hermannstadt). Am Sonntag stellt er sich der Präsidentenwahl.


Wissen:

In Rumänien bewerben sich am Sonntag 14 Kandidaten um das höchste Amt im Staat. Der sozialdemokratische Premier Victor Ponta (PSD) liegt in Umfragen deutlich vorn, sollte aber im ersten Wahlgang keine absolute Mehrheit erreichen. Bei der Stichwahl am 16. November wird dann wohl der Liberalen-Chef Klaus Johannis (55) sein Herausforderer.

Der Rumäniendeutsche wechselte 2012 in die Zentralpolitik und stieg als Chef der Nationalliberalen Partei (PNL) zum Oppositionsführer auf. Als Vorsitzender des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien und Bürgermeister von Sibiu (Hermannstadt) hatte er sich zuvor den Ruf eines effizienten Realpolitikers erworben.

Ponta wurde 2012 Rumäniens jüngster Premier und will nun, mit 42, jüngster EU-Staatschef werden. Seine Laufbahn wurde durch die Mentorschaft von Expremier Adrian Nastase, inzwischen wegen Korruption verurteilt, geprägt. Ponta war etwa Leiter der PSD-Jugend und ab 2010 Parteichef.

Den Wahlkampf dominierten Skandale: Die Antikorruptionsstaatsanwaltschaft ermittelte auch gegen neun Exminister und Vertraute des Premiers. Pontas Kampagnenchef soll im Gegenzug für Unterstützung beim Antritt als Pontas Nachfolger an der Parteispitze Parteikollegen Hilfe bei ihren Korruptionsverfahren versprochen haben. Johannis wird von der Integritätsbehörde ANI vorgeworfen, sich als Bürgermeister in Interessenkonflikten mit Firmen befunden zu haben, in deren Vorstand er saß. Gegner behaupten auch, er habe Häuser mit Geld unklarer Herkunft gekauft.

  • Rumänien hat ein schlechteres Image, als es verdient, tut aber leider oft nicht viel dazu, es zu verbessern.
    foto: epa/robert ghement

    Rumänien hat ein schlechteres Image, als es verdient, tut aber leider oft nicht viel dazu, es zu verbessern.

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