Preisgekrönte Messung der Erdverformung durch Gezeitenkräfte

29. Oktober 2014, 16:58
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Österreichische Geodätische Kommission zeichnet Hana Krasna aus

Wien - Nicht nur das Meer ist dem Einfluss des Mondes und der Gestirne ausgesetzt, auch die Erde hebt und senkt sich durch deren Anziehungskraft um bis zu einen halben Meter. Hana Krasna von der Technischen Universität Wien hat diese Verformung der Erde mit Hilfe von Radiowellen aus fernen Galaxien exakt berechnet. Dafür erhielt sie nun den Karl Rinner-Preis der Österreichischen Geodätischen Kommission.

Diese würdigt jährlich hervorragende internationale Präsentationen und Publikationen von jungen Forschern. Die 31-jährige gebürtige Pragerin, die das Masterprogramm "Geodäsie und Geophysik" an der TU Wien abschloss und dort auch promoviert hat, ist die erste Frau, die diesen Preis erhielt.

Hintergrund

Für manche Fragestellungen ist es nötig, die Erdverformung mit eine Genauigkeit im Millimeterbereich festzustellen, etwa um den globalen Anstieg des Meeresspiegels messen zu können. Meist spielt dabei die Verschiebung der Erdoberfläche sowohl in vertikaler als auch in horizontaler Richtung eine Rolle - Bewegungen die mit den sogenannten Love- und Shida-Zahlen beschrieben werden.

Hana Krasna vom Department für Geodäsie und Geoinformation der TU Wien hat mit Kollegen diese Zahlen neu berechnet und in der Fachzeitschrift "Journal of Geodynamics" gezeigt, dass bisherige Modelle mit einem Fehler von mehreren Millimetern behaftet waren. Die neuen Daten der Wissenschafterin ermöglichen eine viel präzisere Beschreibung der Erddeformation.

Die Methode

Krasna verwendete dazu die Strahlung von Radioquellen von außerhalb unserer Galaxie, etwa von Quasaren, den hell leuchtenden Kernen aktiver Galaxien. Diese Signale werden auf der Erde von unterschiedlichen Radioteleskopen gleichzeitig gemessen. Durch den genauen Vergleich der Ankunftszeit kann man präzise Information über die Koordinaten der Teleskope ableiten.

Krasna hat eine Software entwickelt, die nicht nur die täglich auftretenden Gezeiten, sondern auch Gezeiten-Komponenten mit längerer Periode, die durch das komplizierte Zusammenspiel von Sonne, Mond und Erde entstehen, berücksichtigt. Für ihre Arbeit hat sie Radioteleskop-Daten aus 27 Jahren (1984 bis 2011) analysiert. (APA/red, derStandard.at, 29. 10. 2014)

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