Reise durch die österreichische Kunstgeschichte

29. Oktober 2014, 17:00
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Zum 46. Mal lockt die "Art & Antique Messe für Kunst, Antiquitäten und Design" (8. bis 16. November) zu einer vielseitigen Leistungspräsentation des Kunsthandels in die Wiener Hofburg. Bildende Kunst ist dabei das am stärksten vertretene Segment

Die Mehrheit jener Vertreter des österreichischen Kunsthandels, die kommende Woche anlässlich der "Art & Antique Hofburg Vienna - Messe für Kunst, Antiquitäten und Design" in der Wiener Hofburg ihr temporäres Quartier beziehen, fällt in die Kategorie Stammaussteller. Im Zuge der nunmehr 46. Auflage versammeln sich unter den rund 50 Teilnehmern auch einige Neuzugänge, die das charakteristisch vielseitige Angebot um nennenswerte Facetten bereichern werden.

Ecce Homo der 1520er-Jahre

Dazu gehört etwa Anton Hof-stätter, Sohn des im Herbst vergangenen Jahres verstorbenen legendären Kunsthändlers Reinhold Hofstätter, der ein für Generalisten klassisches Potpourri kredenzt: zeitlich vom 14. bis ins 20. Jahrhundert reichend und die Gattungen Mobiliar, Skulpturen, Kunstgewerbe und Gemälde umfassend. Zu den Höhepunkten seiner Auswahl gehört eine Ecce-Homo-Darstellung, die in den 1520er-Jahren in der Leidener Werkstatt eines gewissen Cornelis Engebrechtsz kunstvoll auf Holz gemalt wurde. Sie schildert jene Szene aus Johannes 19, die neben Pilatus Jesus und das ihn verspottende Volk von Jerusalem zeigt, samt architektonischen Stadtelementen.

Sequenzen aus dem Leben Christi griffen beispielhaft auch Herbert Boeckl ("Gefangennahme Christi I" (1939), bei Galerie Meier) oder Arnulf Rainer ("Christus - Übermalung" (1983), Galerie Richard Ruberl) auf.

Insgesamt ist bildende Kunst traditionell das mit Abstand am stärksten vertretene Segment. Wiewohl das Angebot bis in die Gegenwart reicht und manche Arbeiten quasi direkt vom Atelier des Künstlers in die Hofburg transportiert wurden, ist der Schwerpunkt der Kunst des 19. und 20. Jahrhunderts gewidmet, die eine motivisch und stilistisch abwechslungsreiche Reise durch die österreichische Kunstgeschichte ermöglicht. Zu den Stationen gehört etwa der Garten eines Znaimer Gasthauses im Frühling mitsamt üppig blühendem Obstbaum, ein bislang unpubliziertes Gemälde von Theodor Hörmann (Giese & Schweiger).

Vom Ufer des Attersees (Rudolf Junk, Kohlhammer & Mahringer) über das idyllische Bad Hofgastein (Carl Moll, Giese & Schweiger) führt die Strecke in den Westen nach Tirol, in Dörfer (Alfons Walde, Kovacek & Zetter) und zum Innsbrucker Hausberg Patscherkofel (Max Weiler, Kovacek Spiegelgasse) bis an die ligurische Küste nach Lerici (Alfred Zoff, Kovacek Spiegelgasse) und weiter nach Algier (Carl Moll, Lilly's Art).

Über den Siegeszug der Op-Art-Bewegung (Spectra Konkret & Galerie Leonhard) trifft man schließlich auf Repräsentanten der Gegenwart, auf "neue Wilde" vom Range eines Erwin Bohatsch oder Herbert Brandl (Reinisch Contemporary) sowie auf Bernard Aubertin und Heinz Mack (Galerie Walker), prominenten und international gefragten Vertretern der Zero-Gruppe. (Olga Kronsteiner, Spezial, DER STANDARD, 30.10.2014)


Dieser Artikel entstand mit finanzieller Unterstützung von MAC Hoffmann. Die inhaltliche Verantwortung liegt beim STANDARD.

  • Friedensreich Hundertwasser: "Die Grenze", Öl auf Sperrholz aus dem Jahr 1953.
    foto: galerie bei der albertina

    Friedensreich Hundertwasser: "Die Grenze", Öl auf Sperrholz aus dem Jahr 1953.

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