Loungen zu Halloween

29. Oktober 2014, 17:40
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Das sogenannte Festivalzentrum hat bei der Viennale eine wechselvolle Geschichte

Wenn das Kino nach der Vorstellung das Kollektiv seiner Zuschauer entlässt, dann haben diese nicht selten noch das Bedürfnis, sich bei gepflegten Getränken über das Gesehene und Gehörte auszutauschen. Zu diesem Behufe hat man zuerst einmal das Foyer erfunden und als dessen Erweiterung bei Großveranstaltungen dann das sogenannte Festivalzentrum. Ein multifunktionales Kernstück, das bei der Viennale allerdings eine wechselvolle Geschichte hat: Wir erinnern uns an zugige Zelte - mit Sommerfestivalflair im Dixie-Klo-Bereich. Kaum jemand weiß heute noch, dass die Meierei im Stadtpark einst ebenfalls Viennale-Location war, und das wird seinen Grund haben. Es gab den Dachsaal in der Urania, eine feste Burg immerhin, mit Spannteppich, Kaffeehausmobiliar und prinzipiell guter Eignung für Tages- wie Abendprogramm (sieht man von Interessenkonflikten zwischen Tanzwütigen und Redebedürftigen einmal ab).

Es folgte das Badeschiff am Donaukanal - in den 25 Viennale-Jahren, die die Kolumnistin selbst mitgemacht hat, der auch optisch einladendste, hellste und freundlichste Ort fürs Zusammenkommen, auch Tilda Swinton war da zum Publikumsgespräch. Schließlich zog man in jene historische Postimmobilie, die nun schon im dritten Jahr als "Viennale-Zentrale" dient. Mit seinen langen schwarzen Tüllvorhängen und orangerotem Neonlicht verströmt der Raum halt schon am frühen Abend Gruftie-Charme. Wenn es sich später füllt, dann verbreitet sich zumindest menschliche Wärme. Aber die erste Assoziation bleibt, dass seit der Verlegung des Festivaltermins nach hinten auch die Viennale das amerikanische Kürbiskopf-Volksfest Halloween begeht. (Isabella Reicher, DER STANDARD, 30.10.2014)

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