Fußfessel aberkannt: Hannes Kartnig wieder in Haft

29. Oktober 2014, 17:52
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Nach Geburtstagsessen musste der Ex-Präsident von Sturm Graz seine Fußfessel abgeben

Graz/Wien - Hannes Kartnig musste sich am Mittwoch um halb zwei Uhr nachmittags in der Justizanstalt Graz-Karlau einfinden. Dort wurde ihm berichtet, was kurz zuvor in Wien zwischen Peter Prechtl, Leiter der Vollzugsdirektion, und Anstaltsleiter Josef Adam vereinbart worden war. Wenig später war der prominente Fußfesselträger seine Fußfessel los, und er fand sich im geschlossenen Bereich der Justizanstalt wieder. "Die Fußfessel für Kartnig ist widerrufen worden", sagte Prechtl dem Standard. Am Donnerstag oder Freitag bekomme Kartnig einen dementsprechenden Bescheid zugestellt.

Diesen will Kartnigs Anwalt Roland Kier erst einmal abwarten: "Es hat keinen Sinn, Rechtsmittel zu ergreifen, wenn die schriftliche Ausfertigung der Entscheidung noch nicht vorliegt", erklärte er am Donnerstag. Sein Mandant sei "gestern extrem niedergeschlagen" gewesen.

Ausgang war genehmigt

Die Maßnahme wurde beschlossen, nachdem Kartnig am Montag bei einem Restaurantbesuch im Hotel Hyatt in Wien gesehen worden war. Darüber berichtete der Kurier. Das Interessante daran: Die Justizanstalt Graz-Jakomini hatte den Ausgang samt Essen zu seinem 63. Geburtstag am Montag genehmigt. Kartnig dürfte aber verschwiegen haben, dass er seinen Geburtstag in einem Luxushotel feiern wollte. Verboten war sein Ausgang jedenfalls nicht.

Dem Ansehen der Fußfessel in der Öffentlichkeit dürfte Kartnig nach Ansicht der Vollzugsdirektion aber derart geschadet haben, dass sich Prechtl zum Ziehen der Notbremse veranlasst sah. Erst vor eineinhalb Wochen hatte Kartnig mit einem Besuch einer Opernpremiere in Graz ebenfalls für Aufsehen gesorgt. Kartnig habe damit gegen Auflagen verstoßen.

Keine Besserung nach Belehrung

Der Ex-Präsident des Fußballvereins Sturm Graz war 2012 zu fünf Jahren unbedingter Haft und zu einer Geldstrafe in der Höhe von 6,6 Millionen Euro verurteilt worden. Im April 2014 wurde ein Teil der Strafe auf 15 Monate unbedingt sowie eine Geldstrafe von 5,5 Millionen Euro reduziert. Weil die Reststrafe nach der U-Haft höchstens ein Jahr betrug, kam Kartnig für den elektronischen Hausarrest infrage. Die Fußfessel wurde im August genehmigt. Der Werbeunternehmer durfte weiter seiner Arbeit nachgehen und in seiner Villa wohnen. Allerdings wurde Kartnig von der Justiz belehrt, bei seinen genehmigten Ausgängen die Öffentlichkeit zu meiden. Nach seinem Opernbesuch sprach die Justizanstalt Graz-Jakomini einen Verweis aus. Kartnig soll laut Vollzugsdirektion Besserung beteuert haben - die allerdings nicht eintrat.

Auch bei der sozialarbeiterischen Betreuung war Kartnigs Drang nach Öffentlichkeit immer wieder Thema, bestätigte Andreas Zembaty vom Verein Neustart dem Standard. "Die Fußfessel ist auch eine Verpflichtung. Unser Sozialarbeiter hat in der Betreuung immer wieder eingemahnt, dass er sich daran halten soll", sagte Zembaty. "Anscheinend waren wir leider nicht erfolgreich."

Bald erneut vor Gericht

Hinweisen, dass Kartnig vor den bekanntgewordenen Fällen in feinen Lokalen gespeist haben soll, wird nachgegangen. Die Vollzugsdirektion prüft, ob die von Kartnig und seinem Sozialarbeiter erarbeiteten schriftlichen Aufsichtsprofile mit den GPS-Daten der Fußfessel übereinstimmen.

Das endgültige Aus für die Fußfessel für Kartnig muss die Entscheidung der Justizanstalt aber nicht bedeuten. Kartnig könnte die Abnahme der Fußfessel juristisch anfechten. Darüber entscheidet dann das Vollzugsgericht. Er könnte andererseits nach einiger Zeit in Haft auch einen erneuten Antrag auf eine Fußfessel stellen. Kartnig findet sich jedenfalls bald erneut vor Gericht wieder: Die Neuauflage eines Teils des Prozesses gegen Kartnig (wegen des Vorwurfs einer gefälschten Ticketabrechnung) findet ab 12. November am Grazer Straflandesgericht statt. (David Krutzler, DER STANDARD, 30.10.2014)

  • Hannes Kartnig, hier  vor Beginn der Berufungsverhandlung im April am Obersten Gerichtshof in Wien,  wurde die Fußfessel am Mittwoch abgenommen. Er befindet sich in der  Justizanstalt Graz-Jakomini.
    foto: apa/techt

    Hannes Kartnig, hier vor Beginn der Berufungsverhandlung im April am Obersten Gerichtshof in Wien, wurde die Fußfessel am Mittwoch abgenommen. Er befindet sich in der Justizanstalt Graz-Jakomini.

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