Wiener update software kippt Geschäftsmodell 

29. Oktober 2014, 15:13
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Gespräche mit Betriebsrat über neue Struktur und "personelle Aufstellung"

Kurz nach der Mehrheitsübernahme durch die Aurea Software aus Dubai will die in Frankfurt börsennotierte Wiener update software AG mit rund 320 Mitarbeitern ihr Geschäftsmodell neu ausrichten, "um langfristig wettbewerbsfähig und profitabel" zu sein. Der Umbau kostet freilich viel und wird das operative Ergebnis (EBIT) heuer stark ins Minus drücken, warnte das Unternehmen jetzt.

Reduktion der Kosten um etwa zwei Drittel

A la longue soll die Neuausrichtung Einsparungspotenziale zur Reduktion der Kosten um etwa zwei Drittel zulassen - vor allem bei Sach- und Personalkosten. In den nächsten Wochen würden die Einzelheiten auch zur "personellen Aufstellung" mit dem Betriebsrat in einem Interessenausgleich erarbeitet, erklärte die update software AG in einer Ad-hoc-Mitteilung. Die Grundstrategie sei bereits am Dienstag mit dem Betriebsrat abgestimmt worden, sagte Firmensprecherin Kerstin Schabhüttl am Mittwoch zur APA. Personelle Einschnitte seien noch nicht absehbar, betont sie. "Bereits 2015 soll aufgrund der schlankeren Kostenstruktur ein deutlich positiver Effekt auf die Ertragskraft ersichtlich werden", so das Unternehmen.

"Kurzfristig führt die Neuausrichtung zu erheblichen Belastung des Ergebnisses 2014", warnte die Firma. Die Restrukturierungsaufwendungen für den Jahresabschluss 2014 in voraussichtlich mittlerer einstelliger Millionen-Höhe "werden dazu führen, dass die Gesellschaft für 2014 von einer negativen EBIT-Marge im Bereich von -20 bis -25 Prozent ausgeht."

Neue Prognose

Diese neue EBIT-Prognose trete an Stelle der ursprünglichen von einer positiven EBIT-Marge von 1 bis 3 Prozent, die freilich erst kürzlich, am 13. Oktober, auf -3 bis -4 Prozent gesenkt wurde - und zwar als Folge von erforderlichen Rückstellungen im "unteren einstelligen Millionen-Euro-Bereich" für zwischen Aufsichtsrat und den früheren Vorstandsmitgliedern abgeschlossenen Vereinbarungen, wie es vor zwei Wochen hieß.

Der frühere CEO Thomas Deutschmann sowie die Vorstände Arno Huber (CTO) und Uwe Reumuth (CFO) einigten sich nämlich mit dem Aufsichtsrat einvernehmlich über die Beendigung ihrer Verträge. Im September folgte der frühere COO Todd Brooks als neuer CEO (zuständig u.a. für Finanzen, IT, Produktentwicklung und Integration in die Aurea-Gruppe), per 14. Oktober noch Mirjam Riesemann (Marketing) und Christian Stadlmann (Vertrieb).

Breiteres Portfolio

Mit der Neuausrichtung soll sich update vom reinen Anbieter von CRM-Software in Richtung "ganzheitliche Lösungs- und Beratungsorientierung" entwickeln. Künftig solle ein breiteres Portfolio an Firmensoftware-Produkten - sogenannte Enterprise Software - rund um das Thema Customer Experience Management offeriert werden, so die Ad-hoc-Aussendung.

Ziel sei es, sich vom klassischen CRM-Software-Bereich (Customer Relationship Management) mit reinem Halten und Managen von Informationen in Richtung Organisator sämtlicher Kunden-Kontaktpunkte entlang der Wertschöpfungskette zu bewegen, so Schabhüttl: "Dabei geht es um alle Berührungspunkte zwischen Unternehmen und ihren Kunden."

Neuer Eigentümer

Mit dem neuen Eigentümer Aurea stünden hier auch "neue Türe offen". Basis seien die bestehenden Kunden, man habe aber auch strategische Neukunden im Blick. Der Fokus solle - weiterhin - auf den Kernmärkten Deutschland, Österreich, Schweiz und Frankreich liegen, allein auf Deutschland entfallen gut 70 Prozent der Umsätze.

Bis Ende September setzte update heuer rund 26 Mio. Euro um, ein Plus von 9 Prozent. Der operative Gewinn verbesserte sich in den ersten neun Monaten auf 0,8 Mio. Euro (3 Prozent EBIT-Marge), im Vorjahr stand da noch ein Minus von 2,1 Mio. Euro.

Seit August hält Mehrheitseigentümer Aurea 81,09 Prozent an der update software AG. Unmittelbar gehalten werden die Aktien von der in Dubai (VAE) ansässigen Aurea Software FZ-LLC. Diese gehört zur Gänze der Aurea Software, Inc., eine Gesellschaft nach dem Recht des US-Staates Delaware mit Sitz in Dover, USA. Die gehört der ESW Capital LLC, GesmbH nach Delaware-Recht in Austin, Texas. Alleineigner dieser Firma und verfügungsberechtigt über die update-Aktien ist Joseph Anthony Liemandt mit Geschäftssitz in Austin, Texas.

Der Aktienkurs veränderte sich vorerst nicht. (APA, 29.10.2014)

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