Milchtrinker sterben womöglich früher

29. Oktober 2014, 15:19
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Eine schwedische Langzeitstudie hat den Effekt von Kuhmilch auf die Gesundheit unter die Lupe genommen. Empfehlungen gegen Kuhmilch gibt es aber nicht

Milchtrinken ist gesund: Diese weitverbreitete Ansicht wird in einer neuen Studie in Zweifel gezogen. Schwedische Wissenschafter wollen herausgefunden haben, dass Menschen früher sterben, die sehr viel Kuhmilch trinken. Außerdem würden Frauen häufiger Knochenbrüche erleiden, heißt es in der im medizinischen Fachmagazin "The British Medical Journal" veröffentlichten Untersuchung.

Allerdings räumen die Autoren der Studie selbst ein, dass es eine Reihe von Fragezeichen bei den Ergebnissen ihrer Untersuchung gibt. Das Wissenschafter-Team untersuchte die Daten von 61.000 schwedischen Frauen im Alter zwischen 39 und 74 Jahren, die rund 20 Jahre lang kontrolliert wurden. Zudem wurden die Daten von mehr als 45.000 Männern hinzugezogen, die elf Jahre lang überwacht wurden und zu Beginn zwischen 45 und 79 Jahre alt waren.

Die Freiwilligen machten Angaben zu ihrem Lebensstil, ihren Ess- und Trinkgewohnheiten, ihrem Gewicht sowie unter anderem zu Sport und Rauchen.

Kein Einfluss auf Knochenbruchrisiko

Am Ende der langen Untersuchungszeit waren 25.500 Menschen aus der Gruppe gestorben, und 22.000 hatten einen Knochenbruch erlitten. Dabei stellte sich der Studie zufolge heraus, dass diejenigen kein geringeres Knochenbruch-Risiko hatten, die viel Milch tranken, dass diese Gewohnheit aber "mit einer höheren Todesrate zusammenhängen könnte".

Bei den Frauen starben 180 von 1.000 unter denjenigen, die mindestens drei Gläser Kuhmilch pro Tag über einen Zeitraum von zehn Jahren tranken. Der Durchschnitt bei allen - egal mit welchem Kuhmilchkonsum - lag bei 126 zu 1.000. Unter denen, die nur ein Glas Kuhmilch oder weniger tranken, lag die Todesrate bei 110 zu 1.000.

Bei Hüftbrüchen lag die Quote für diejenigen Frauen, die viel Milch tranken, bei 42 von 1.000. Der Durchschnitt lag der Studie zufolge bei 35 und für die, die wenig Milch tranken, bei 31. Bei Männern war der Unterschied bei der Todesrate weniger ausgeprägt, bei der Knochenbruch-Rate gab es gar keinen.

"Frauen, die drei Gläser Milch oder mehr am Tag tranken, hatten ein 90 Prozent höheres Todesrisiko, ein 60 Prozent höheres Hüftbruch-Risiko und ein 15 Prozent höheres Risiko bei Brüchen allgemein verglichen zu denen, die weniger als ein Glas tranken", sagte Ko-Autor Karl Michaelsson von der Universität von Uppsala.

Egal ob fett oder halbfett

Nach Angaben des Wissenschafters war das höhere Sterberisiko unabhängig davon, ob es sich um Vollmilch oder etwa Halbfett-Milch handelte. Ab etwa zwei Gläsern Milch pro Tag sei das Risiko erhöht gewesen.

Für Käse oder Joghurt galt dies nicht - im Gegenteil. Die Wissenschafter führten als eine Möglichkeit an, dass Milch, anders als Käse, viel D-Galactose enthält. Dieser Zucker habe in Tierstudien ein schnelleres Altern und eine kürzere Lebensdauer ergeben.

Allerdings hoben die Wissenschafter hervor, dass aufgrund ihrer Ergebnisse keine Schlussfolgerungen gezogen und auch keine Empfehlungen zum Milchkonsum abgegeben werden könnten.

Weitere Untersuchungen seien nötig. So könne es etwa bei den Knochenbrüchen auch eine umgekehrte Kausalität geben: Menschen mit einem höheren Osteoporose-Risiko könnten vorsorglich mehr Milch trinken, was dann später für die Knochenbrüche verantwortlich gemacht werde. (APA, red, 29.10.2014)

  • Jahrelang galten Milch und Milchprodukte als Ernährungsempfehlung gegen Osteoporose – möglicherweise zu Unrecht, wie eine Studie nun zeigt.
    foto: dpa

    Jahrelang galten Milch und Milchprodukte als Ernährungsempfehlung gegen Osteoporose – möglicherweise zu Unrecht, wie eine Studie nun zeigt.

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