Prozess: Polizisten sollen Ermittlungen zu Sextäter verschleppt haben

29. Oktober 2014, 14:40
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Nach der Verurteilung eines Arztes wegen Kinderpronografie sitzen drei Kripobeamte auf der Anklagebank am Landesgericht Linz

Linz - Wenn Richter, Staatsanwälte und Verteidiger am Wort sind, ist die Arbeit der Polizei meist schon getan. Am Mittwoch mussten aber drei Ermittler des Landeskriminalamts Oberösterreich persönlich auf der Anklagebank des Landesgerichts Linz Platz nehmen.

Die Staatsanwaltschaft wirft einem inzwischen pensionierten Chefinspektor und zwei mittlerweile versetzten Mitarbeitern der Gruppe "Sittlichkeitsdelikte" des Landeskriminalamts vor, Straftaten eines Arztes, der im Oktober 2013 wegen sexuellen Missbrauchs von Unmündigen und der pornografischen Darstellung Minderjähriger zu 18 Monaten Haft verurteilt wurde, nicht mit Nachdruck verfolgt zu haben.

Reisekosten falsch abgerechnet

Zum Amtsmissbrauch gesellt sich in der Anklageschrift noch gewerbsmäßiger Betrug. Reisekosten sollen bewusst falsch abgerechnet worden und eine auf Dienstkosten erstandene Regenjacke eigentlich für die Frau des Chefinspektors gewesen sein.

Verteidiger Heinz Buchmayr sieht die "gesamte Anklage auf Luft gebaut" und darin letztlich das Ergebnis eines polizeiinternen Intrigenspiels: "Die drei Angeklagten sind die Bauernopfer eines politischen Systems. Die Zusammenlegung von Polizei und Gendarmerie ist damals nicht friktionsfrei gelaufen. Man wollte die angeklagten Ex-Gendarmen in Linz weghaben – und hat nach Flöhen und Wanzen gesucht."

"Bin ein gebrochener Beamter"

Die Angeklagten zeigten sich nicht geständig, psychisch aber schwer getroffen: "Ich bin immer belobigt worden – und dann hat man mich abmontiert. Ich bin ein gebrochener Beamter."

Reisekosten habe man stets "nach geltender Richtlinie" abgerechnet, die Regenjacke auf Polizeikosten stehe jedem Beamten zu: "Mein Frau hat sie nur probiert, weil sie meine Statur hat." Bei den Ermittlungen gegen den Arzt sei man "allen Hinweisen nachgegangen". Es sei aber lediglich ein vager Verdacht vorgelegen – angeblich ausgedruckte Fotos nackter Buben in einem Drogeriemarkt und Beobachtungen eines Bademeisters in einem Freibad –, nichts Konkretes. "Es war zu dünn. Es hat geheißen, der ist ein komischer Kauz."

Nach einer weiteren Anzeige gegen den Arzt im Jahr 2011 wurde der Akt den angeklagten Beamten entzogen und einem anderen Team zugeteilt. Dieses konnte die Straftaten aufklären. Der Prozess wurde auf den 12. November vertagt. (Markus Rohrhofer, derStandard.at, 29.10.2014)

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