Defekte Airbags bringen Autobranche in Verruf

29. Oktober 2014, 13:44
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Der japanische Airbag-Hersteller Takata hat massive Probleme, weil Airbags vom Lebensretter zur Splitterbombe geworden sind

New York – Lange beschäftigte die Auto-Branche die Zündschlösser. Die amerikanische Opel-Mutter General Motors kämpft immer noch mit den Folgen ihrer eigenen Rückrufserie wegen defekter Zündschlösser, die zu mindestens 30 Toten geführt haben. In der jüngsten Pannen-Serie rückt ein anderes nicht minder wichtiges Zubehör ins Rampenlicht: Der Airbag. Statt zu schützen, soll er sogar für den letalen Ausgangs von Unfällen verantwortlich sein.

Aufsehen erregender Fall

Ein konkreter Fall in den USA erregt besonders Aufsehen: Wochenlang war ungeklärt, was Hien Tran am 29. September zustieß. Die Polizei von Orlando im US-Staat Florida spekulierte zunächst über eine Messerattacke, so übel zugerichtet war die Frau hinter dem Steuer ihres Honda Accord gefunden worden. Erst Tage, nachdem die 51-Jährige an ihren Verletzungen starb, konnte der tragische Unfall aufgeklärt werden - ein Airbag der japanischen Firma Takata gilt als Todesursache. Davon geht jedenfalls der Kriminalbeamte Benjamin Thorpe aus, der die Ermittlungen im Auftrag der Autobahnpolizei führte. "Die Verletzungen stimmten mit explodierenden Airbags überein, die im Zusammenhang mit bestimmten Fahrzeugen stehen", erklärte Thorpe auf einer Pressekonferenz am 16. Oktober. Tran habe einen Brief mit einem Rückruf erhalten, in dem sie aufgerufen wurde, ihren Wagen wegen Problemen mit dem Airbag zum Sicherheitscheck zu bringen.

Die Defekte sind nicht neu. Airbags des japanischen Zulieferers Takata können wegen mangelhafter Verarbeitung platzen - dabei kommt es zu einer Explosion, die Teile der Metallverkleidung sprengt. Der Airbag wird dann zu einer Splitterbombe - statt zum Lebensretter. Takata produziert einen großen Teil aller Airbags weltweit, Fahrzeuge diverser Autobauer sind betroffen.

Größeres Problem als angenommen

Vergangene Woche ist in den USA bekanntgeworden, dass das Problem weitaus größere Ausmaße hat als bisher bekannt. Die US-Verkehrsaufsicht NHTSA gab eine dringende Warnung heraus und meldete Rückrufe von rund 7,8 Mio. Fahrzeugen. Dem Branchenblatt "Automotive News" zufolge wurden schon seit 2008 mehr als 16 Mio. Autos rund um den Globus wegen des Defekts zurückgerufen. Das "Wall Street Journal" berichtete jüngst, die Bundesanwaltschaft von Manhattan habe sich in den Fall eingeschaltet. Die Ermittler wollten klären, ob Takata gegenüber Aufsehern irreführende Aussagen zur Sicherheit der Airbags gemacht habe. Takata versicherte, die Probleme extrem ernst zu nehmen und versprach der NHTSA sowie den betroffenen Autobauern volle Kooperation.

Für die Japaner droht nun jede Menge Ärger. Takata muss wegen des Skandals mit hohen Schadensersatzforderungen rechnen. Verbraucher reichten am Montag bei einem Bezirksgericht in den USA eine Sammelklage ein, in der auch mehrere Autobauer beschuldigt werden, wichtige Informationen zurückgehalten zu haben. In der Sammelklage werden neben Takata unter anderem Toyota und Honda beschuldigt. Zu den insgesamt zehn betroffenen Autoherstellern, die mit Airbags von Takata beliefert wurden, zählen neben allen großen japanischen Herstellern und BMW auch die Autobauer Chrysler, Ford und General Motors. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde überprüft Airbags, die von 2000 bis 2007 hergestellt worden sind.

Software-Probleme

Etwas anders gelagert sind die Airbag-Probleme bei der VW-Tochter Audi. Vergangene Woche hatte Audi mitgeteilt, weltweit 850.000 Fahrzeuge des Typs A4 in die Werkstätten zurückzurufen. Ein Programmierfehler in der Steuerung könne verhindern, dass sich die Airbags bei einem Unfall entfalten. Auch in China werden nun Autos der VW-Tochter zurückgerufen. (APA/red, derStandard.at, 29.10.2014)

  • Airbags als Splitterbombe.
    foto: reuters/bader

    Airbags als Splitterbombe.

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