Erdogan-Protzbau in der Türkei trotz lautstarker Kritik eröffnet

Ansichtssache30. Oktober 2014, 07:00
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Aksaray, weißer, reiner Palast, nennt sich das neue Prachtpalais des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan und übertrifft mit unzähligen Räumen, modernsten Überwachungs- und Sicherheitsanlagen und einer Gesamtfläche von mehreren tausend Quadratmetern berühmte Bauten wie den Kreml in Russland und den britischen Buckingham Palace.

Hochmodernes Palais

Das Gebäude mit eigenem Hubschrauber-Landeplatz besteht aus 1.000 Räumen, darunter ein abhörsicheres Besprechungszimmer, eine atombombensichere Befehlszentrale sowie fünf Meter hohe Zimmer. Sogar einem Raketenangriff soll das Gebäude standhalten können. Die Baukosten betrugen Medienberichten zufolge umgerechnet rund 275 Millionen Euro.

Hochmoderne Solartechnik und Regenwasseraufbereitung sollen dem Palast eine umweltfreundlichen Note verleihen. Umweltschützer und Regierungsgegner waren trotzdem wenig begeistert und versuchten seit Baubeginn im Jahr 2011 bei den Behörden einen Baustopp zu erwirken, der im Frühjahr 2014 von einem Gericht sogar genehmigt wurde.

Gesetzeswidriger Bau

Der Grund: Der Bau von Erdogans Palast ist gesetzeswidrig. Das Gebäude wurde ohne Genehmigung auf einem unter Denkmal- und Naturschutz stehenden Forstgelände aus der Zeit von Staatsgründer Mustafa Kemal Atatürk errichtet. Erdogan zeigte sich jedoch gegenüber jeglichen Initiativen gegen die Errichtung unbeeindruckt: "Sollen sie doch versuchen, es abzureißen. Ich werde das Gebäude eröffnen, und ich werde da einziehen."

Eröffnet wurde der Palast schlussendlich nicht mit dem geplanten Pomp: Aufgrund des schweren Grubenunglücks mit 18 Verschütteten im südtürkischen Ermenek sagte Erdogan den für Mittwochabend geplanten Empfang zum türkischen Nationalfeiertag und zur Eröffnung des Präsidentenpalasts ab.

Eigentlich war der "Weiße Palast" für den neuen Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu bestimmt. Dieser muss sich nun mit dem bisherigen Präsidentensitz, dem "Rosa Palast", in Ankaras Stadtteil Cankaya begnügen, einem wesentlich bescheideneren Gebäude, in dem seit 1923 alle Staatsoberhäupter residierten. Erdogan war dieser Palast zu klein. Die bisherigen Repräsentativbauten des Staates seien der türkischen Republik nicht angemessen, sagte er vor seiner Wahl zum Präsidenten. (Alexandra Koller, derStandard.at, 30.10.2014)

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