Neue Methode lokalisiert Sprachzentrum im Gehirn

29. Oktober 2014, 09:59
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Das Ultrahochfeld-MR im Vorfeld von Gehirn-Operationen trägt dazu bei, eine Schädigung des Sprechvermögens zu vermeiden

Eine neue Untersuchung an der Universitätsklinik für Neurologie der Med-Uni Wien könnte für künftige Gehirnoperationen enorm wichtig sein. Erstmals zeigten Wissenschafter, dass die für Sprachverständnis wichtigen Hirnareale mit Ultrahochfeld-MR (7 Tesla) besser diagnostiziert werden können als mit üblichen klinischen MR-Geräten. Diese Areale könnten somit bei Eingriffen nun geschützt werden.

Vor Gehirnoperationen ist es wichtig, die für Sprache notwendigen Hirnareale genau zu kennen, um sie während des Eingriffs nicht zu verletzen. Aufgrund von Tumoren oder Verletzungen kann sich deren Lage nämlich beträchtlich verschieben.

Jedes Gehirn ist anders

Auch die Flexibilität des Gehirns sorgt dafür, dass sich die Sprachzentren in andere Bereiche verlagern können. Sollten bei einer Gehirnoperation Bereiche der Sprachsteuerung und -verarbeitung verletzt werden, kann es hier zur Sprachunfähigkeit kommen.

Um hier im Vorfeld eine "Landkarte" der Sprachsteuerung anzulegen, wird heutzutage die funktionelle Magnetresonanztomografie (fMRT) eingesetzt. Eine Multicenter-Studie aus dem Jahr 2013 wies die Stärken von fMRT-gestützten Lokalisierungen im Gehirn aus.

In einer neuen Untersuchung der Arbeitsgruppe von Roland Beisteiner von der Universitätsklinik für Neurologie konnte nun erstmals gezeigt werden, dass die für Sprachverständnis wichtigen Hirnareale mit Ultrahochfeld MR noch deutlich besser lokalisiert werden können als mit üblichen klinischen MR-Geräten.

Dabei wird Augenmerk auf die beiden wichtigsten Sprachzentren im Gehirn gelegt - das Wernicke-Areal, das das Sprachverständnis steuert, und das Broca-Areal, das die motorische Funktion des Sprechens regelt. Während Patienten Sprachaufgaben lösen, wird das Gehirn auf Aktivität gescannt.

Dabei lassen sich die für das Sprechen benötigten Bereiche genauer als bisher lokalisieren.

Wichtige Einblicke

"Das Ultrahochfeld-MR bietet eine viel höhere Sensitivität als klassische MR-Geräte", erklärt Roland Beisteiner, "damit lassen sich auch ganz schwache Signale in Regionen aufzeichnen, die sonst übersehen worden wären".

Die Arbeit wurde in Kooperation mit der Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin und anderen Universitätskliniken sowie mit Unterstützung eines Forschungsclusters der Wiener Universitäten durchgeführt und im führenden Journal "Neuroimage" publiziert. (APA, derStandard.at, 29.10.2014)

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