Kollektivvertrag: Mehr Lohn für Metaller

29. Oktober 2014, 15:10
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Abschluss 0,4 Prozentpunkte über österreichischer Inflation - Arbeitgebervertreter Knill: "Gerade noch verkraftbar"

Wien - Ein elfstündiger Verhandlungsmarathon in Runde vier der Metaller-Herbstlohnrunde bringt den rund 120.000 Mitarbeitern der Maschinen- und Metallwarenindustrie ein Plus von 2,1 Prozent auf dem Gehaltszettel. Der neue Kollektivvertrag gilt ab November für ein Jahr. Der Obmann des Fachverbands Maschinen- und Metallwarenindustrie (FMMI), Christian Knill, hält den Abschluss für "gerade noch verkraftbar", wie er in der Nacht auf Mittwoch sagte.

Spitzengewerkschafter Rainer Wimmer sprach von "harten Verhandlungen". Über die europäische Inflationsrate zu reden sei eine Herausforderung gewesen, sagte Wimmer in Anspielung auf die Arbeitgeber, die sich an der EU-weiten Inflation von nur 0,5 Prozent orientieren wollten. Am Schluss habe man aber doch über die österreichische Inflation von 1,7 Prozent geredet. Der Abschluss von 2,1 Prozent bedeutet für die Arbeiter und Angestellten der Branche ein Reallohnplus von 0,4 Prozentpunkten. Der Abschluss bei den Metallern gilt für andere Branchen als Richtschnur.

Wie viel übrig bleibt

Wie viel den 120.000 Beschäftigten in der Maschinen- und Metallwarenindustrie netto bleibt, hängt vom jeweiligen Verdienst ab. Der Ökonom Marcus Scheiblecker vom Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo) geht davon aus, dass von der Lohnerhöhung durch die Wirkung der Steuerprogression für die Arbeitnehmer real nicht viel übrig bleiben wird. "Viel Kaufkraft wird es nicht bringen, allerdings wird es dem Budget was bringen", sagte Scheiblecker im ORF-"Mittagsjournal".

Von der Politik kam am Mittwoch Lob für den Kompromiss der Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter. Für Arbeits- und Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) ist ein Abschluss über der österreichischen Inflationsrate ein "Gewinn für die Menschen". "Mit den 2,1 Prozent hat man einen effektiven Reallohngewinn", sagte Hundstorfer. Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) meint, "dass es ein vernünftiger Kompromiss ist, der den betroffenen Unternehmen Planungssicherheit in schwierigen Zeiten ermöglicht."

Die Metallerlohnrunde werde in anderen Branchen zwar nur verwässert ankommen, schätzt Wirtschaftsexperte Scheiblecker, aber "versuchen wird man in allen anderen Branchen auch, über der Inflationsrate abzuschließen". Für die Wifo-Ökonomin Christine Mayrhuber ist die Argumentation der Arbeitgeberseite, nicht die Preisentwicklung in Österreich, sondern jene in Europa zu berücksichtigen, "nicht aufgegangen". "Wenn man schon mit Europa argumentiert, dann müsste man auch die Perspektive einnehmen, dass gerade Deutschland, aber auch Österreich quasi auf Kosten der anderen Länder die Exporte getätigt haben", so Mayrhuber. In Deutschland werde umgekehrt argumentiert, dass die Lohnentwicklung der Vergangenheit dazu geführt habe, dass die südlichen Länder keine Möglichkeit gehabt hätten aufzuholen.

Knill: Weder Erfolg noch Misserfolg

Sich bei der Inflation nicht an der österreichischen, sondern an jener der EU zu orientieren wäre ein Novum in der Sozialpartnerschaft gewesen und wurde auch von Wirtschaftsexperten kritisch gesehen. Der Wifo-Fachmann Thomas Leoni meinte kürzlich, dass das "volkswirtschaftlich problematisch" wäre.

Die Arbeitgeberseite lenkte hier während der Verhandlungsrunde ein. Fachverbandsobmann Knill wollte dennoch nicht von einem Erfolg oder Misserfolg sprechen. Die EU-weite Inflation von 0,5 Prozent sei kein Angebot, sondern nur eine Basis gewesen. Der Abschluss gebe den Unternehmen nun Planungssicherheit, so Knill. Wegverhandelt habe man die von der Gewerkschaft vorgeschlagene Freizeitoption, bei der sich Mitarbeiter für mehr Freizeit statt mehr Verdienst hätten entscheiden können. "Wir sehen darin eine Arbeitszeitverkürzung", so Knill, der den Vorschlag ablehnt.

Arbeitnehmer setzen sich bei Mindestlohn durch

Die Frage einer Arbeitszeitflexibilisierung, in der die Sozialpartner in den vergangenen Jahren keine Lösung fanden, wurde bei der diesjährigen Lohnrunde ausgeklammert. Man wolle nun aber die Gespräche wieder aufnehmen, sagten Wimmer und Knill. Der Gewerkschafter bremste allerdings und will hier "nichts überhudeln".

Beim Mindestlohn setzten sich die Arbeitnehmervertreter durch: Dieser steigt ebenso wie die Ist-Löhne und die Lehrlingsentschädigungen um 2,1 Prozent. Die Arbeitgeber verlangten ursprünglich, dass der Mindestlohn nicht steigt. Das sei aus Gewerkschaftssicht undenkbar gewesen, erklärte Wimmer. Die Zulagen werden um 1,7 Prozent angehoben.

Nächtliche Einigung

Die nächtliche Einigung zeichnete sich im Laufe des Dienstagabend ab. Die Gewerkschafter waren während des Verhandlungsmarathons weniger angriffig als in der Vergangenheit. Zudem gab es offenbar auf beiden Seiten den Willen, die Gespräche abzuschließen. In dem Fall, dass auch die vierte Lohnrunde gescheitert wäre, hätten die Gewerkschaften erneut Betriebsversammlungen abgehalten. Auch Streiks standen im Raum.

Wie schon die beiden Jahre zuvor verhandeln die sechs Metallindustrie-Fachverbände getrennt, der Fachverband Maschinen- und Metallwarenindustrie ist dabei mit 120.000 von insgesamt 180.000 Beschäftigen am größten. Für die Gewerkschaften sind die getrennten Verhandlungen ein Ärgernis. Sie wollen sich nicht auseinanderdividieren lassen und streben auch heuer wieder idente Abschlüsse in allen sechs Verbänden an, die Messlatte liegt nun bei 2,1 Prozent. Vor einem Jahr hatten sich die Verhandler auf einen Lohnzuwachs von im Schnitt 2,8 Prozent geeinigt – bei einer Inflationsrate von 2,4 Prozent. Dafür brauchten sie fünf Verhandlungsrunden, eine mehr als heuer. (APA, 29.10.2014)

  • Nächtliche Einigung der Metaller: Der Lohn steigt um 2,1 Prozent.
Im Bild: Metallabfälle in den VOEST-Werken.
    foto: reuters/foeger

    Nächtliche Einigung der Metaller: Der Lohn steigt um 2,1 Prozent.

    Im Bild: Metallabfälle in den VOEST-Werken.

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