Mit Laufzeitenfonds zur Zusatzpension

29. Oktober 2014, 10:49
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Der Mix an Varianten, um die Pension aufzufetten, wird um Laufzeitenfonds erweitert. Die Bawag ist nun mit zwei solcher Fonds am Start

Wien - Mit der Pensionslücke ist es so wie mit einer Zahnlücke. Solange sie nicht schmerzt, verdrängt man sie. Der Zeitpunkt des Schmerzes bei der Pensionslücke könnte für viele Österreicher aber im Laufe des Jahres gekommen sein, mit der Zustellung des von der Pensionsversicherungsanstalt (PVA) verschickten Schreibens, welches über die jeweilige Kontoerstgutschrift informiert.

Die Differenz zwischen dem letzten Aktiveinkommen und der staatlichen Pension veranlasse viele, über eine zusätzliche Vorsorge nachzudenken - so lautet der Tenor von Experten aus dem Vorsorgebereich. Ein Fünftel der Österreicher hat sich laut einer Umfrage der Bawag PSK aber noch nicht für eine private Zusatzvorsorge entschieden - obwohl 92 Prozent angeben, dass ihnen die private Pensionsvorsorge wichtig ist. 1000 Österreicher im Alter von 25 bis 60 Jahren hat die Bawag für das Stimmungsbild befragt.

20 Prozent dieser "Nichtvorsorger" geben zudem an, sich unwohl damit zu fühlen, dass sie privat noch nicht vorgesorgt haben. Rund 30 Prozent dieser Personen wissen laut der Studie, dass sie Handlungsbedarf haben, haben das Thema bisher aber immer wieder verdrängt. 40 Prozent geben an, sich eine private Vorsorge finanziell nicht leisten zu können.

"Starthilfe"

Als "Starthilfe" hat die Bawag PSK die sogenannte Vorsorge-Box zusammengestellt. Diese Box beinhaltet eine Produktpalette, aus der Kunden ihr Vorsorgepaket individuell zusammenstellen können. Enthalten sind eine Pensionsvorsorge (eine klassische Erlebensversicherung), das Flex-Vermögen (eine fondsgebundene Lebensversicherung), das Flex-Vermögen-Konzept-Vorsorge-2029 (ein Laufzeitenfonds), Konzept-Ertrag (Mischfonds), der Lebensschutz (Er- und Ablebensversicherung), die Startvorsorge (Ansparprodukt, um Geld für ein fixes Ereignis zu sparen) und die Begräbniskostenvorsorge.

Eingestiegen werden kann in manche Produkte schon ab 15 Euro - Einmalerläge sind ab 3500 Euro möglich. "Bei der Pensionsvorsorge sollte man nicht alle in einen Korb legen", fasst Markus Gremmel, Leiter vom Bereich Marketing und Produkte der Bawag PSK, zusammen. Für wen welcher Produktmix am besten passt, wird in einem persönlichen Beratungsgespräch eruiert.

Neue Frage

Vor allem mit den neu aufgelegten Laufzeitenfonds versucht die Bawag Invest nun zu punkten. Umgekehrt wird dabei auch die klassische Einstiegsfrage, erklärt Bernhard Greifeneder. Denn bisher seien Kunden immer gefragt worden, für wie viele Jahre sie ein bestimmtes Geld nicht brauchen, um dieses in eine Veranlagung zu investieren. "Die richtigere Frage ist aber, in wie vielen Jahren ein Kunde das Geld braucht", sagt Greifeneder zum Standard. Weil damit könne in der Veranlagung darauf Rücksicht genommen werden, dass das Risiko rechtzeitig limitiert wird.

Die zwei von der Bawag Invest neu aufgelegten Laufzeitenfonds (einer läuft bis 2021, der zweite bis 2029) veranlagen in Mischdachfonds, bei denen die Aktienquote sukzessive abgebaut wird. Zum Ende der Laufzeit bekommen die Kunden ihr Geld zurück. Anleger müssten sich nicht um die Auflösung ihrer Fondsanteile kümmern. "Die Fonds haben keine Kapitalgarantie, aufgrund der abnehmenden Aktienquote ist das Risiko aber planbar", fasst Greifeneder zusammen. Die Zeichnungsfrist läuft seit rund einem Monat. Mit den ersten Ergebnissen zeigt man sich bei der Bawag zufrieden. Geht das Konzept auf, wird überlegt, alle zwei Jahre einen neuen Laufzeitenfonds zu bringen.

Rechenmodelle

Ab 50 Euro pro Monat kann in die Laufzeitenfonds investiert werden. Wer sich ausrechen will, was mit Fonds und Sparplänen theoretisch erwirtschaftet werden kann und welche Einlagebeträge den erwartbaren Ertrag wie verändern, kann das mit dem Fondssparrechner der Bawag tun. Zugänglich ist dieser über die Bawag-Homepage.

Mit gemischten Dachfonds versucht auch Pioneer Investments den Vorsorgegedanken abzudecken. Mit den "Pioneer Funds Austria - Komfort Invest Fonds" wird in internationale Anleihen- und Aktienmärkte veranlagt. Die breite Risikostreuung soll Anleger vor großen Verlusten schützen. Je nach Risikoprofil kann von konservativ (veranlagt zu 100 Prozent in Anleihenfonds) über traditionell, ausgewogen, dynamisch oder progressiv (100 Prozent Aktienquote) gewählt werden. Eine Berechnung des möglichen und gewünschten Anlageerfolgs kann unter komfortinvestzone.at durchgeführt werden. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 24.10.2014)

Wissen - Die Zeit ist das Ziel

Das funktioniert etwa bei Rentenfonds so. Wer weiß, dass er erst in zehn Jahren Geld benötigt, der kann sich heute eine Reihe von Anleihen einkaufen, die genau zehn Jahre laufen. Sie werden am Laufzeitende zu 100 bedient, was die Ausschüttungen planbar macht. Risiken bestehen nur, wenn ein Schuldner zahlungsunfähig wird oder Anleihen in Fremdwährung notieren und es zu Turbulenzen an den Devisenmärkten kommt. Wie viel ein Anleger mit zehnjährigen Anleihen verdienen kann, weiß er genau, die durchschnittliche aktuelle Umlaufrendite von Staatsanleihen in der Eurozone beträgt laut EZB 1,85 Prozent. Europäische Hochzinsanleihen bringen aktuell rund vier Prozent mehr als sichere Staatsanleihen.

Das Ziel ist klar. "Target-Date-Fonds", oder Laufzeitenfonds, sollen Investoren ein Produkt mit einer klaren Laufzeit und einer klaren Erwartung geben. Das Ziel der Fondshäuser ist, über die Fixierung der Laufzeit so etwas Ähnliches wie ein Sparprodukt zu konstruieren.

Besonders Pensionspläne mit fixen Laufzeiten sind in den angelsächsischen Märkten die Käufer von Laufzeitenfonds, weil sie ziemlich genau wissen, wann ihre Verbindlichkeiten schlagend werden. Dabei gibt es Laufzeitenfonds in allen möglichen Formen. Kurz laufende, anleihenlastige Vehikel eignen sich für kurzfristige Sparprodukte. Teilweise haben diese Fonds auch einen hohen Umschlag, um Risiken aktiv zu steuern. Lang laufende (bis 2050 etwa) Fonds fangen teilweise mit hohen Aktienanteilen an und bauen diesen dann sukzessive über die Laufzeit ab, je näher die Ausschüttungsphase rückt. Diese Produkte sind für die Vorsorge gedacht. (sulu, DER STANDARD, 24.10.2014)

  • Die Zeit läuft, und am Ende der Laufzeit soll ein hoher und sicherer Ertrag sehen. Mit Laufzeitenfonds wird versucht, das darzustellen. Die Risikominimierung im Laufe der Zeit soll die Erträge sichern.
    foto: dpa/sebastian kahnert

    Die Zeit läuft, und am Ende der Laufzeit soll ein hoher und sicherer Ertrag sehen. Mit Laufzeitenfonds wird versucht, das darzustellen. Die Risikominimierung im Laufe der Zeit soll die Erträge sichern.

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