Kinderleichte Technik für Ärzte und andere Arbeiter

30. Oktober 2014, 16:47
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FH Vorarlberg forscht zu Benutzerfreundlichkeit

Dornbirn - So einfach wie ein Smartphone oder ein Tablet sollen künftig auch Industriecomputer und Steuerkonsolen benutzt werden können. UCT Research, das interdisziplinäre Forschungszentrum für nutzerzentrierte Technologien an der Fachhochschule Vorarlberg will mit benutzerfreundlichen Bedienoberflächen den Arbeitsalltag in Industrie und Dienstleistung erleichtern.

Ob Fabrikshalle, Büro oder Operationssaal - die Schnittstelle zwischen Mensch und Technik soll optimiert werden. Das ist jedenfalls Ziel von "LiTech", einem auf vier Jahre konzipierten sogenannten K-Projekt. Es ist Teil des Kompetenzzentrenprogramms Comet, das von Wissenschafts-, Wirtschafts- und Infrastrukturministerium gefördert wird. LiTech ist mit einem Budget von zwei Millionen Euro ausgestattet.

Mit im Forschungsboot sind neben der Universität Salzburg und der Technischen Universität Graz vier Vorarlberger Unternehmen aus ganz unterschiedlichen Branchen: Softwareentwicklung, Transportlogistik, Systemelektronik für Medizin und Industrie sowie Präsentationstechnik. Das Konsortium ist offen für weitere Betriebe.

Gemeinsam mit den Unternehmen wollen die Forscher alternative Bedienformen für Anlagen und Geräte entwickeln. Komplexe Systeme sollen technisch und grafisch vereinfacht werden. Dabei will man auch auf die Erfahrungen und das Wissen der Endbenutzer und -benutzerinnen zurückgreifen. Deren Kritikpunkte sollen eingearbeitet werden, jede Neuentwicklung wird mit ihnen getestet.

Egal ob Anlagensteuerung oder Computer im OP: Die Bedienung wird dadurch effizienter und effektiver. Doch nicht nur eine Leistungssteigerung wird angestrebt, sagt Guido Kempter, Leiter des UCT Forschungszentrums. Arbeitsplätze sollen durch Benutzerfreundlichkeit ergonomisch und damit verträglicher werden - was schließlich zu mehr Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter führen würde. Kempter: "Wer sich wohlfühlt, kann besser arbeiten."

Verwirrende Display-Darstellungen

Verwirrend und unübersichtlich seien die Darstellungen auf Displays oft, kritisieren Anwender. Es fehle einerseits an Konsistenz und andererseits an Flexibilität der komplexen Systeme. Zu sehr spiegeln sie Expertensicht wider, lautet wiederholte Kritik von Usern. Im Rahmen des Projekts werden sogenannte Usability-Probleme, also Probleme bei der Benutzbarkeit identifiziert, um sie bei der Entwicklung neuer Features ausschließen zu können.

Besonders komplex sind die Anforderungen im Krankenhaus. Wer operiert, kann schlecht gleichzeitig einen Touchscreen betätigen. "Computer im OP müssen ergonomisch speziell adaptiert sein, ohne Maus und Tastatur", sagt Kempter. Eine weitere Herausforderung: Sie sollten vom Operateur leicht erreicht werden können.

LiTech soll daher ganz neue Touch- und Gestensteuerung andenken und entwickeln. Durchaus vorstellbar wäre die Integration der Steuerung in das Operationswerkzeug. Augmented Reality, die erweiterte Realität, könnte man durch neue Tools wie Brillen mit Mikrodisplays und Kameras schaffen. Die mobilen Geräte könnten auch an Produktionsstraßen, bei der Anlagen- und Maschinensteuerung eingesetzt werden.

Frei von manueller Computerbedienung kann sich Kempter künftig multimediale Präsentationen vorstellen. Die verschiedenen Präsentationsgeräte könnten in der Zukunft durch Gestik oder Stimme gesteuert werden. Der Effekt einer perfekten Präsentation sei bereits erforscht: Das Publikum wird besser involviert. (jub, DER STANDARD, 29.10.2014)

  • Wer operiert, kann schlecht gleichzeitig einen Touchscreen betätigen. Neue Steuertools sollen die Technik im OP vereinfachen.
    foto: focke strangmann/dapd

    Wer operiert, kann schlecht gleichzeitig einen Touchscreen betätigen. Neue Steuertools sollen die Technik im OP vereinfachen.

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