Japanischer Autorenwettbewerb steht auch Nichtmenschen offen

30. Oktober 2014, 17:05
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Schreib-Roboter sind ebenso willkommen wie Tiere und Außerirdische - sie müssen nur Japanisch können

Tokio - Der 1997 verstorbene Shin’ichi Hoshi ("Ein hinterlistiger Planet") zählte zu den wichtigsten japanischen Science-Fiction-Autoren. Ihm zu Ehren wurde ein Preis eingerichtet - und der ist von der Teilnahmemöglichkeit her offener als jeder andere: Nicht nur Menschen sind nämlich im ausgeschriebenen Wettbewerb als Autoren zugelassen, sondern auch Künstliche Intelligenzen bzw. Schreib-Roboter ... sowie Tiere und Außerirdische, um niemanden und nichts zu diskriminieren.

Während Beiträge aus den beiden letzteren Zielgruppen eher überraschend kämen, ist es durchaus wahrscheinlich, dass von Software generierte Erzählungen eingereicht werden. Vor einigen Jahren bereits sorgte das US-amerikanische Unternehmen Narrative Science für Schlagzeilen, als es die Dienste eines Schreib-Roboters anbot, der Daten zu einem bestimmten Sachgebiet zu Texten verknüpft. Inzwischen verdient das Unternehmen gutes Geld damit, Medien mit automatisch produzierten Kurzberichten - beispielsweise im Sportbereich - zu versorgen.

SF-Wettbewerb wird selbst zu Science Fiction

Einen Schritt weiter geht eine Initiative japanischer Wissenschafter der Future University Hakodate, die bereits angekündigt haben, am Hoshi Prize teilnehmen zu wollen. Dafür will das Team um Hitoshi Matsubara Hoshis gesamtes Œuvre in einer Datenbank sammeln und die gefundenen Erzählstrukturen von Software auswerten sowie in eine brandneue Erzählung umsetzen lassen. Bis 2015 glauben die Forscher soweit zu sein.

Hoshis Tochter Marina Hoshi Whyte bezeichnete die Idee, den Wettbewerb auch für Nicht-Menschen zu öffnen, als "Scherz" - aber als einen der passenden Art. Sie sieht es als Weiterführung der Vision ihres Vater, nicht nur SF-Erzählungen zu prämieren, sondern dem Wettbewerb selbst den Anstrich von Science Fiction zu verleihen.

Die eingereichten Beiträge sollen jedenfalls einer Jury vorgelegt werden - ohne Erklärung, ob sie von der Hand eines Menschen, der Pfote/dem Rüssel/dem Tentakel eines anderen Organismus oder aus den Bitströmen einer Maschine stammen. Nur eine Bedingung müssen die Texte auf jeden Fall erfüllen: Sie müssen auf Japanisch sein. (jdo, derStandard.at, 30.10.2014)

  • Eine Kandidatin? Elefantin Yumeka schreibt "Pferd". Als Erzählung dürfte das jedoch nicht ausreichen.
    foto: apa/epa/kimimasa mayama

    Eine Kandidatin? Elefantin Yumeka schreibt "Pferd". Als Erzählung dürfte das jedoch nicht ausreichen.

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