"Schüler, die auf Lehrer starren" im Dschungel Wien

28. Oktober 2014, 17:20
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Nach des Schülers Pfeife tanzen

Wien - Denkt man an seine Schulzeit zurück, erinnert man sich weniger an Formeln und Grammatik als an diejenigen, die es einem beibringen mussten - die Lehrer. Unter ihnen gab es gute, schlechte, vor allem aber skurrile Exemplare, die den Schulalltag zumindest erinnerungswürdig gemacht haben. Im Dschungel Wien werden in Schüler, die auf Lehrer starren unterschiedliche Typen vorgestellt, viele davon kennt man selbst: Da gibt es zum Beispiel die Biologielehrerin, die auf besonders detailreiche Sexualkunde erpicht ist, den nerdigen Englischlehrer und die alternativ angehauchte Zeichenprofessorin.

Ausgezeichnet mit dem Dramatikerstipendium 2014 des Bundes lässt Autor Benedict Thill sechs Lehrer zu den sogenannten "Lehrerinnenspielen" antreten. Dazu müssen sie in Rollen schlüpfen, die ihre Schüler geschrieben haben und die unzensiert dargestellt werden sollen.

Verschiedene Themen der Schulzeit werden in Corinne Eckensteins Inszenierung aufgeführt: die ersten sexuellen Erfahrungen, der Umgang mit einem depressiven Schüler oder mit rassistischen Vorurteilen. Erlebnisse mit "Rite of Passage"-Dringlichkeit, wie das erste Mal rauchen (und erwischt werden) und große emotionale Verunsicherungen, etwa die erste Liebe zum anderen oder gleichen Geschlecht, rufen beim Publikum schnell eigene Assoziationen hervor.

Die pubertären Themenkomplexe wirken in Schüler, die auf Lehrer starren allerdings allzu theatralisch. Stellenweise ist diese Absurdität überflüssig: Um die Schulzeit nachzuzeichnen, bedarf es nämlich gar keiner Überzeichnung. Da reicht schon der schnarchende Deutschlehrer während der Schularbeit für ausreichende, reale Unterhaltung. (Lina Paulitsch, DER STANDARD, 29.10.2014)

Bis 29. 1. 2015

  • Schüler als Stückeschreiber, Lehrer als deren Schauspielpersonal.
    foto: rainer berson

    Schüler als Stückeschreiber, Lehrer als deren Schauspielpersonal.

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