Kabel und Stecker für E-Autos: Das Chaos beginnt sich zu lichten

Userartikel29. Oktober 2014, 12:56
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Eine Einführung in die Kabel- und Steckertheorie für Anfänger – und warum die EU für Elektroautos etwas Gutes ist

Es gibt eine Unmenge von Lademöglichkeiten auf dem Weg von Wien in die Bundesländer. Das Einzige, was mir große Sorge macht, ist der Umstand, dass es hierbei so viele unterschiedliche Kabeltypen und Modi gibt. Das ist für Otto Normalverbraucher leider doch etwas kompliziert. Was machen wir, wenn wir dann auf der Autobahn nicht schnell aufladen können, weil der Kabelstecker nicht in die Buchse passt? Um diese Frage zu lösen, beschäftigt sich dieser Blogbeitrag mit einer Einführung in die Kabel- und Steckertheorie.

Welche Stecker für E-Fahrzeuge gibt es?

Der Nissan Leaf benötigt zum Schnellladen einen sogenannten Chademo-Stecker. Basierend auf Gleichspannung kann der Akkumulator eines Elektrofahrzeugs mit einer elektrischen Leistung von bis zu 62,5 kW geladen werden. Laut Wikipedia gibt es einige Theorien für den seltsamen Namen: Chademo ist entweder ein Akronym von Charge de Move, abgeleitet von "Charge for moving". Oder es ist die Ableitung des japanischen Satzes "O cha demo ikaga desuka" – was in etwa bedeutet "Wie wär's mit einer Tasse Tee?". So soll der Name darauf hinweisen, dass ein leer gefahrenes Elektroauto innerhalb von rund 30 Minuten auf 80 Prozent der Batteriekapazität aufgeladen werden kann – nach einer Tasse Tee kann man also die Reise fortsetzen.

Dann wäre da noch ...

Weiters kann man den Nissan Leaf mit einem normalen Schukostecker betanken, da dauert es zwischen acht und zwölf Stunden. Die Schnellladung ist problemlos während eines Ausflugs unterzubringen, der langsame Ladevorgang ist hierfür unbrauchbar. Das heißt, dass für den Nissan Leaf nur Chademo-Ladestellen für unterwegs infrage kommen. Dadurch lichtet sich das Meer an Ladestationen auf e-tankstellen-finder.at, und man sieht plötzlich nur noch wenige Punkte auf der Österreich-Karte. Chademo-Ladestellen sind zwar in Japan sehr weit verbreitet, in Österreich aber nicht. Dadurch wird es mühsam, mit dem E-Auto größere Ausflüge zu unternehmen.

Wie ist das bei anderen Herstellern?

Andere Hersteller wie BMW (i3), Mercedes, Renault (mit der Zoe) sowie VW (E-Up und E-Golf) verwenden standardmäßig Typ-2-Stecker zum Laden. Hier ist das Netz schon relativ gut ausgebaut. Man findet die Schnellladevariante von Typ 2 zwar nicht an jeder Ecke, aber mit etwas Planung ist man für längere Fahrten mit ein oder zwei Zwischenstopps ganz gut bedient.

Dann wäre da noch der Typ-1-Stecker

Die dritte Gruppe von E-Autos von Herstellern wie Chevrolet, Ford, Mitsubishi, Opel (Ampera), Peugeot sowie der Volvo Plug-in-Hybrid, den wir vom letzten Testmonat gut kennen, sind standardmäßig mit Typ-1-Steckern ausgerüstet. Diese passen gut für das amerikanische Stromnetz, für das europäische Netz (drei Phasen) sind diese 1-Phasen-Stecker aber nicht gut geeignet. Sie sind hier deutlich langsamer als Typ-1- oder Chademo-Stecker. Auch das Typ-1-Schnellladenetz ist aus diesem Grund nur unzureichend geeignet.

Des Rätsels Lösung

Wie kann das Problem gelöst werden? Die EU hat eine Antwort. Diese schreibt nämlich ab 2015 einen Kabel- und Steckerstandard vor, der dann hoffentlich für alle Elektroautos und Plug-in-Hybride umgesetzt wird: der Typ-2-Stecker, mit dem es möglich ist, mit Wechselstrom und Gleichstrom bei hoher Leistung zu laden. Wenn alle Ladestationen mit diesem Standardstecker bzw. -kabel ausgerüstet sind, steht jedem E-Auto-Fahrer plötzlich ein Meer an Schnellladestationen zur Verfügung, und es sollte keinen Grund mehr geben, ein E-Auto als reines Stadtauto zu definieren. Es ist dann für größere Ausflüge und kleinere Reisen bis circa 400 Kilometer problemlos geeignet. Mit ein bis zwei Kaffee- oder Teepausen sollte man entspannt, aber vollgeladen unterwegs sein können. (Barbara Bürbaumer, derStandard.at, 29.10.2014)

Hinweis: Die Autos wurden von den jeweiligen Herstellern für den Testzeitraum zur Verfügung gestellt, der Kooperationspartner Smatrics bietet den Strom für die Elektrofahrzeuge an. Der Beitrag gibt die persönliche Meinung des Users wieder.

  • Das richtige Kabel sollte man stets dabeihaben.
    foto: derstandard.at/hendrich

    Das richtige Kabel sollte man stets dabeihaben.

  • Eine typische E-Fahrzeug-Ladestation, hier von Kooperationspartner Smatrics.
    foto: barbara bürbaumer

    Eine typische E-Fahrzeug-Ladestation, hier von Kooperationspartner Smatrics.

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