Ungewöhnliche Planktonart mit päpstlicher Kopfbedeckung entdeckt

28. Oktober 2014, 12:07
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Pileolosphaera longistirpes hüllt sich in Kalkplättchen, die an das Scheitelkäppchen des Papstes erinnern

Kiel - Ein internationales Team unter der Leitung von Forschern von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel hat in der Ostsee eine bisher unbekannte Planktonspezies entdeckt. Die Einzeller kleiden sich in eine ungewöhnliche Schutzhülle aus winzigen Kalkplättchen, die an eine päpstliche Kopfbedeckung erinnern: das als Pileolus bekannte Scheitelkäppchen. Die Wissenschafter tauften die neue Art daher Pileolosphaera longistirpes, was so viel bedeutet wie "kugelige Zelle aus päpstlichen Scheitelkappen mit langen Stängeln".

Der Winzling aus der Kieler Förde ist nur wenige hundertstel Millimeter groß und wird zum sogenannten Nanoplankton gezählt. Die Forscher mussten am Rasterelektronenmikroskop zahllose Proben aus der Ostsee untersuchen, ehe sie mit der Entdeckung von P. longistirpes belohnt wurden: "In der Kieler Förde herrscht eine ungeahnte Formenvielfalt von kalkigem Nannoplankton vor", sagt Sebastian Meier, der das Labor für Rasterelektronenmikroskopie am Kieler Institut für Geowissenschaften leitet.

Traditionsreichen Nanoplanktonforschung

Die Erforschung des Nanoplanktons hat in Kiel eine lange Tradition und geht auf Hans Lohmann zurück. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts studierte er die Wasserlebewesen und beschrieb einzelne Kalkalgen. Vertreter des kalkigen Nannoplanktons sind seit der oberen Trias (etwa 220 Millionen Jahre vor unserer Zeit) bekannt und spielen für die Deutung der jüngeren Klimageschichte eine große Rolle. (red, derStandard.at, 28.10.2014)

  • Die neu entdeckten Nanoplanktonart Pileolosphaera longistirpes (links) erinnert an den Pileolus des Papstes.
    fotos: k.j. sebastian meier/stahlkocher, wikimedia commons

    Die neu entdeckten Nanoplanktonart Pileolosphaera longistirpes (links) erinnert an den Pileolus des Papstes.

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