Raue Töne vor vierter Metaller-Lohnrunde

27. Oktober 2014, 19:30
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Gewerkschafter: "Die werden ab Mittwoch ein bisschen Stress haben"

Wien - Nervenflattern nach zwei Wochen mit Betriebsrätekonferenzen und Betriebsversammlungen in der Maschinen-/Metallwarenindustrie (FMMI) vor der vierten Lohnrunde am Dienstag. Der Ton wird rauer, die Auseinandersetzung schärfer. Die Industrie wirft den Verhandlungsführern der Gewerkschaft, Rainer Wimmer (Produktionsgewerkschaft) und Karl Proyer (Privatangestellte) vor, mit falschen Zahlen und "Störfeuern" zu operieren. Wimmer vermische "Äpfel mit Birnen", wenn er behaupte, die Maschinen- und Metallwarenindustrie habe gut verdient, schütte hohe Gewinne aus und habe auch positive Prognosen für die Zukunft.

Konter der Industrie

Das Gegenteil sei wahr, betonte FMMI-Sprecher Christian Knill am Montag via Aussendung: "Die Maschinen- und Metallwaren Industrie hat 2014 Probleme, die wir nicht ignorieren dürfen - auch wenn sie den Gewerkschaftern nicht in ihr Konzept passen." Demnach hatten die Betriebe nach einer längeren Phase ohne Wachstum zur Jahresmitte 2014 deutliche Rückgänge in der Produktion (minus drei Prozent), bei Auftragseingängen (minus 2,3 Prozent) und beim Personalstand (minus 1,6 Prozent). Hohe Dividenden habe es auch nicht gegeben, denn nur 1,5 Prozent der FMMI-Betriebe seien börsenotiert.

Die Rolle der Familienbetriebe

"Dass auch Familienbetriebe Dividenden ausschütten, nicht nur börsenotierte, dürfte den Arbeitgebern entgangen sein", ätzt man in der Gewerkschaft. Laut Analyse der Arbeiterkammer (AK) von Jahresabschlüssen von 140 Metallindustrieunternehmen, summierten sich die Ausschüttungen der gesamten Branche (inklusive Maschinen/Metallwaren) für das Geschäftsjahr 2013 auf 1,72 Milliarden Euro (knapp unter Vorjahresniveau). Das sind 66,5 Prozent der im Vorjahr erwirtschafteten Jahresüberschüsse, die an Aktionäre bzw. Muttergesellschaften abgeführt wurden. Gemessen an Lohn- und Gehaltssumme sind es 38,5 Prozent (2013: 43,1 Prozent).

Zoff um Bemessungsgrundlage

Für Zoff sorgt insbesondere die zur Bemessung herangezogene Inflation. "Am gerechtesten wäre die Weltinflation", sagt Proyer zynisch. "Das wären 3,5 Prozent und samt Exporten in alle Welt." Die Industrie will, wie berichtet, den EU-Durchschnittswert vom Oktober, also 0,5 Prozent heranziehen, die Gewerkschaft die für Österreich maßgeblichen 1,7 Prozent (von September 2013 bis September 2014). "Wenn die so weiter tun, werden sie ab Mittwoch ein bisschen Stress haben", droht ein hochrangiger ÖGBler mit Verweis auf Kampfmaßnahmen (ung, DER STANDARD, 28.10.2014)

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