Hingabe an Raritäten

27. Oktober 2014, 17:36
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Die Wiener Philharmoniker im Musikverein

Wien - Philharmonischer Saisonbeginn im Musikverein - und viele freie Plätze: Das lag wohl daran, dass in der ersten Hälfte ein Werk aus 1965 anstand. Das Stammpublikum tut sich mit dem, was als zu "modern" empfunden wird, schwer - auch wenn diese Moderne ein halbes Jahrhundert alt sein mag. Umso dringlicher ist es aber, die Ohren zu öffnen. Mit dem Dirigenten Ingo Metzmacher und Musik von Olivier Messiaen hat das Orchester gute Erfahrungen gemacht, an die man nun anknüpfte.

Das etwas abgelegene Et exspecto resurrectionem mortuorum ist Musik von Messiaen im konzentrierten Sinne: nur für Bläser und Schlagzeug, reduziert auf einfach Melodik, die ihre Inspiration aus Gregorianik und exotischen Vogelstimmen bezog und offenbar berechnet auf den überakustischen Kirchenraum. Im Konzertsaal wirkt das Stück eher schlicht, wenngleich die Gongschläge ihre Wirkung kaum verfehlen - in einer so genau gesetzten Interpretation.

Die gleiche Hingabe dann (mit dem Singverein und Vokalsolisten) bei Schuberts Lazarus, einem rätselhaft hybriden Stück. Konvention trifft auf kühne Harmonik, Metzmacher sorgt für Ausgewogenheit wie (im zweiten Akt) herbe Schroffheit. Unorthodoxer Auftakt der Abosaison. (daen, DER STANDARD, 28.10.2014)

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