Landauer und die anderen

27. Oktober 2014, 17:49
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Im Dokumentarfilm "Letzte Hoffnung Spanien - Protokolle einer Odyssee" kommen Zeugen des Spanischen Bürgerkriegs zu Wort

Salzburg - Am 18. Juli 1936 begann der Spanische Bürgerkrieg, bei es um die Verteidigung einer rechtmäßig gewählten Volksfrontregierung ging, die sich gegen den faschistischen Militärputsch unter Franco zur Wehr setzen musste. Von Anfang an waren auf beiden Seiten Menschen aus anderen Ländern beteiligt. Die Putschisten wurden von Mussolinis Truppen und Hitlers "Legion Condor" unterstützt.

Auf republikanischer Seite kämpften 40.000 Freiwillige aus 50 Ländern in den Internationalen Brigaden: Linke jeglicher Couleur, Freidenker, liberal gesinnte Demokraten - darunter Schriftsteller und Intellektuelle - wie Ernest Hemingway, André Malraux oder George Orwell. Ein Kampf der Ideologien, der erste Widerstand gegen den nach Weltherrschaft strebenden Faschismus, geleitet von einem heute vergessenen Begriff: der Solidarität.

In den Internationalen Brigaden kämpften auch rund 1400 Freiwillige aus Österreich: Vier von ihnen (sowie zwei spanische Milizionäre) kommen in dem Dokumentarfilm von Karin Helml und Hermann Peseckas Letzte Hoffnung Spanien - Protokolle einer Odyssee ausführlich zu Wort.

Ferdinand Hackl, Gert Hoffmann, Ernst Kuntschik und Hans Landauer reisten als junge Burschen illegal auf die Iberische Halbinsel. Nach der Niederlage der Volksfront wurden sie wie hunderttausende Antifaschisten in Frankreich interniert, schließlich an Nazideutschland ausgeliefert und in KZs gesteckt. Landauer war der jüngste und bis zu seinem Tod 2014 der letzte noch lebende österreichische Spanienkämpfer. Und er war der große Chronist seiner Gefährten; gemeinsam mit seinem Freund, dem Schriftsteller Erich Hackl, publizierte er 2003 das Lexikon der österreichischen Spanienkämpfer 1936-1939.

Seit 1983 arbeitete Landauer ehrenamtlich im Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes, wo er über die heimischen Spanienkämpfer forschte: und das trotz der zahlreichen politischen Grabenkämpfe innerhalb der Linken. Landauer ließ nie davon ab, den Hang zu Pathos, Verklärung und einseitiger ideologischer Darstellung zu kritisieren und richtigzustellen. Einmalige Sondervorstellung im Rahmen der Studio-West-Reihe "salty docs", im Anschluss Diskussion. Freier Eintritt. (Gerhard Dorfi, DER STANDARD, 28.10.2014)

Das Kino, Salzburg, 0662/87 31 00, 19.00

www.daskino.at

  • Hans Landauer war der jüngste und bis zu seinem Tod am 20. Juli 2014 der letzte noch lebende österreichische Spanienkämpfer.
    foto: heribert corn

    Hans Landauer war der jüngste und bis zu seinem Tod am 20. Juli 2014 der letzte noch lebende österreichische Spanienkämpfer.

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