Ebola-Impfung weckt Hoffnung – auch im Kampf gegen Rassismus

Blog27. Oktober 2014, 15:13
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Die reale Bedrohung durch das Virus, Angst und Vorurteile ergeben eine ungute Mischung.

Zu der lebensgefährlichen Viruserkrankung Ebola, die sich in den westafrikanischen Staaten Guinea, Liberia und Sierra Leone immer weiter verbreitet, gab es in den vergangenen Tagen Meldungen, die Anlass zu Hoffnung geben.

Die Entwicklung eines Impfstoffs ist offenbar so weit gediehen, dass laut Weltgesundheitsorganisation WHO nach Testreihen im Dezember zu Beginn 2015 mit der Immunisierung besonders exponierter Menschen - Ärzten und Pflegekräften - gestartet werden soll. Bis Mitte 2015 könnten dann in den von der Epidemie schwer getroffenen drei Ländern Reihenimpfungen stattfinden, heißt es.

Impftests im Dezember

Sollte das wie geschildert klappen - was voraussetzt, dass die zur Auswahl stehenden Präparate, oder eines davon, während der Dezembertests halten, was sie versprechen -, könnte weiteres, noch größeres Übel abgewendet werden: Erstens ein in die Hunderttausende gehendes Massensterben in den drei hauptbetroffenen Ländern, welches diese Staaten sozial und ökonomisch zerstören würde. Sowie zweitens ein von sozialen Verhärtungen und Furcht geprägter Kampf gegen eine Ebola-Ausbreitung in anderen Staaten und Erdteilen.

Beachtlich ...

Ist die Ebola-Impfung erfolgreich, so wäre das ein Beweis für die Wirkkraft heutiger Wissenschaft und Forschung. Immerhin wäre dann in weniger als einem Jahr ein massentauglicher Impfstoff gegen eine in den meisten Fällen tödliche Infektion produziert worden - gegen eine globale Bedrohung.

Bitter wäre dann nur, dass in diesem Fall anzunehmen ist, es wäre möglich gewesen, den Impfstoff bereits früher zu entwickeln - vorsorglich sozusagen; dass Ebola sehr gefährlich ist, war schon länger bekannt. Das hätte tausenden Menschen das Leben gerettet und viel Verzweiflung verhindert.

... aber doch verzögert

Das geschah nicht, mangels Profitträchtigkeit. Dieser Umstand weist auf den immensen Abstand hin, der zwischen dem gesundheitspolitischen Status quo und der Welt klafft, wie sie sein sollte, um menschengerechter und gesünder zu sein.

Wie gefährlich die Ebola-Krise ist, zeigen aber nicht nur die derzeit weiter stark zunehmenden Erkranktenzahlen in Westafrika und die Meldungen über Verdachtsfälle und einzelne Infizierte weltweit. In Europa brauen sich Ebola-bedingt auch soziale Gewitter zusammen, die durch Virusangst und -hysterie befördert werden.

Aus Bus geworfen

Erste derartige Zwischenfälle gab es bereits: In Rom wurde eine völlig gesunde Frau aus Guinea aus einem öffentlichen Bus geworfen, weil man sie verdächtigte, Ebola zu verbreiten. Davor war sie von Mitfahrenden verprügelt worden. Mit Blutergüssen wurde sie ins Spital eingeliefert.

Im deutschen Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern), wo sich in den vergangenen Monaten Neonazis gegen eine Flüchtlingsunterkunft starkgemacht haben, weigerten sich Supermarktkassierinnen, Geld anzugreifen, mit dem ein afrikanischer Asylbewerber zahlen wollte: Sie hatten Angst vor Ebola.

Mobilisierbare Ressentiments

Ob Italien, Deutschland oder sonst wo: Sollte sich die Ebola-Krise ungebremst vertiefen, droht in Europa ein massives Aufleben von Rassismus gegen schwarze Afrikaner.

In Verbindung mit der Angst vor einer infektiösen, tödlichen Krankheit kann dieser Rassismus unter Umständen verheerend wirken. Auch deshalb ist sehr zu hoffen, dass die von der WHO in Aussicht gestellte Ebola-Impfung wirkt.

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    Foto: AP / Lalit
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