Erste und RBI schreiben nicht neu ab

27. Oktober 2014, 14:06
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Die beiden börsenotierten Großbanken sehen keinen zusätzlichen Anpassungsbedarf. Die EZB benützt eine etwas andere Methodik

Wien/Frankfurt - Die Experten und Prüfer der Europäischen Zentralbank haben in ihren Bilanzchecks bei den 130 geprüften Banken der Eurozone explizit nach Problemkrediten gesucht. Sie fanden dabei zusätzliche ausfallsgefährdete Kredite über 136 Mrd. Euro, die nach EZB-Rechnung in den Bankbilanzen schlummern. In Österreich wären es bei der Ersten 1,4 Mrd. Euro, bei der RZB 753 Mio. oder bei der ÖVAG 316 Mio. Euro.

Dass die EZB auf einen höheren Berg an faulen Krediten kommt als die Banken per Ende 2013 selber bilanziert haben, zieht - wie die betroffenen börsenotierten Großbanken Erste Group und RBI versichern - allerdings keinen zusätzlichen Wertberichtigungsbedarf nach sich. Der Vorstand von RZB/RBI hat in einer Telefonkonferenz am Montag erklärt, man sehe aus dem Titel Asset Quality Review (AQR) keinen materiellen Wertberichtigungsbedarf, die eigenen Methoden seien IFRS-konform. Allenfalls könnte es hier und dort zu marginalen Anpassungen kommen.

Andere Regeln

Für einen Teil der auch von der EZB ermittelten Summe habe man 2014 schon rückgestellt, ein anderer Teil wäre in der Bilanz gar nicht erfassbar, weil nach geltenden Bilanzierungsregeln Kreditverluste erst verbucht werden dürften, wenn sie eingetreten seien und nicht als künftige Verluste. RZB/RBI-Vorstand Johann Strobl hat am Montag den Ausblick bekräftigt, wonach heuer 1,5 bis 1,7 Mrd. Euro für faule Kredite zur Seite gelegt werden muss.

RBI-Chef Karl Sevelda bekräftigte heute, wegen des heurigen Verlusts keine Dividende vorzuschlagen. Die Bank erwartet im Gesamtjahr bis zu 500 Mio. Euro Verlust.

Die EZB hat bei der von ihr gecheckten RZB zusätzliche 192 Mio. Euro an Einzelwertberichtigungen identifiziert. Davon hat Raiffeisen heuer per Ende September schon 122 Mio. Euro selber abgeschrieben. Das betraf Kredite von 43 Firmenkunden, die auf "non performing" gestellt wurden. Dass die EZB bei den Pauschalwertberichtigungen auf zusätzliche 490 Mio. Euro kam, begründet die RZB/RBI vor allem mit unterschiedlichen Rechenmethoden. Während die EZB nur ein Jahr (also nur Ausfallsraten von 2013) berücksichtige, stelle das Modell der Bank selbst auf die letzten fünf Jahre ab.

Abschreibungen in Rumänien und Ungarn

Auch die Erste Group gab an, im Zusammenhang mit dem EZB-Bilanztest keine weiteren Risikovorsorgen mehr zu brauchen. Im zweiten Quartal heuer hatte die Bank neue massive Abschreibungen in Rumänien und Ungarn vorgenommen, auch für das dritte Quartal wurde ein Brocken angekündigt. Die Bank erwartet heuer einen hohen Verlust. Auch die Erste argumentiert mit methodischen Unterschieden zwischen EZB-Berechnungen und aktuellem Bilanzrecht.

Erste Group und Raiffeisen Zentralbank (damit auch die RBI) haben den EZB-Stresstest in den Belastungsszenarien bestanden. Die Kapitalpuffer gelten demnach als ausreichend hoch. Die Prüfer haben dabei die milliardenschwere Kapitalerhöhung bei der RBI vom heurigen Jahresbeginn nicht mit eingerechnet. Seit Freitag letzter Woche hat Raiffeisen einen Bescheid der Aufsicht in Händen, aufsichtsrechtlich als "Kreditinstitutsgruppe" eingestuft zu werden, was bei der Berechnung des regulatorischen Kapitals der RZB nach Angaben aus informierten Kreisen mehr als eine Milliarde Euro bringen dürfte. (APA, 27.10.2014)

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