"Vienna Hackdays" - Blecher: "Wir müssen Journalismus neu denken"

27. Oktober 2014, 12:37
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Publikum will Teil der Show sein" - Modelle an "jeweilige DNA, Kultur und Leserschaft" anpassen

Die erfolgreiche Nachrichten-App von morgen könnte diese Woche in Wien entstehen: Am Mittwoch und Donnerstag finden die "Vienna Hackdays" statt, in deren Rahmen zwölf Teams aus Journalisten, Programmierern und Grafikdesignern neue Anwendungen entwickeln sollen. "Es ist wichtig, Innovation voranzutreiben", glaubt auch Ludovic Blecher, der eine abschließende Keynote halten wird.

"Wenn man nicht gräbt, kann man auch kein Gold finden."

Der französische Digitalexperte sieht in der sich verändernden Medienlandschaft vor allem Chancen für Unternehmen, neue Lösungen zu finden und "um die Ecke zu denken". "Das Problem heutzutage ist, dass digitale Distribution oft als Gefahr betrachtet wird. Aber es ist wie beim Goldrausch: Wenn man nicht gräbt, kann man auch kein Gold finden." Das "Graben" bei den "Hackdays" sei ein kollaborativer Prozess, wie er im Gespräch mit der APA erläutert. "Gemeinsam wird versucht, ein neues Produkt zu entwickeln. Man muss sich anschauen, wie Menschen heute Nachrichten konsumieren und dann überlegen, welche neuen Rezepte wir anbieten können."

Blecher beschäftigt sich mit diesem Thema sehr intensiv, steht er doch dem Digital Press Innovation Fund vor, der von Google und dem französischen Presseverband AIPG getragen wird. Innerhalb der nächsten drei Jahre sollen 60 Mio. Euro an innovative Projekte vergeben werden. "Wir müssen Journalismus neu denken", ist Blecher überzeugt. "Gerade die Printbranche befindet sich in einer schwierigen Situation. Sie ist auf der Suche nach einem funktionierenden Modell, was aber nicht einfach ist. Dem Journalismus selbst bieten sich heutzutage aber viele Möglichkeiten."

"Ein Beispiel sind soziale Netzwerke"

Man müsse sich darüber im Klaren sein, dass sich die Art und Weise, wie Journalismus gemacht wird, in den vergangenen Jahren verändert habe. "Ein Beispiel sind soziale Netzwerke", betont Blecher. "Hier erkennt man ganz deutlich, dass das Publikum Teil der Show sein will. Man muss die Leute einbinden, das ist unerlässlich." Zudem habe das Kuratieren von Nachrichten eine neue Bedeutung erfahren. "Oft fehlt leider die Vision. Aus meiner Sicht sind zwei Dinge wesentlich: Man muss neue Produkte entwickeln, die die Marke stärken. Und sich dann in weiterer Folge diversifizieren, von anderen Angeboten unterscheiden."

Gelungene Beispiele gebe es durchaus, wie Blecher etwa auf den niederländischen Digital-Kiosk "Blendle" verweist. "Gerade erst haben die New York Times Company und Axel Springer drei Mio. Euro in 'Blendle' investiert. Sie haben einfach etwas Spannendes gemacht, obwohl sie sich auf einem Markt mit vielen Anbietern befinden." Auch "Vice News" steche laut Blecher mit seinem ungewöhnlichen Ansatz hervor. "Es gibt viele Trends, aber nicht das eine Rezept. Deshalb muss man sich diese interessanten Projekte anschauen und daran anknüpfen. Jeder muss das Modell finden, das zur jeweiligen DNA, Kultur und Leserschaft passt."

Das werden auch die Teams bei den vom Global Editors Network (GEN) gemeinsam mit dem Forum Journalismus und Medien Wien (fjum) sowie der APA - Austria Presse Agentur veranstalteten "Hackdays" versuchen. Das Siegerteam des Wettbewerbs wird schließlich beim Finale im kommenden Jahr in Barcelona teilnehmen. Die Projektvorstellung der Wiener Teilnehmer erfolgt am Donnerstagabend im Presseclub Concordia, bei der auch Blechers Keynote zu hören sein wird. (APA, 27.10. 2014)

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