Deutsche Wirtschaft im Stimmungstief

27. Oktober 2014, 11:41
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Der Ifo-Index fällt nicht nur den sechsten Monat in Folge, sondern auch stärker als befürchtet

München/Berlin - Erneuter Rückschlag für die deutsche Wirtschaft: Die Stimmung in den Chefetagen hat sich im Oktober den sechsten Monat in Folge eingetrübt. Der Geschäftsklima-Index fiel unerwartet deutlich von 104,7 auf 103,2 Punkte, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter 7000 Managern mitteilte. Das ist der schlechteste Wert seit fast zwei Jahren. Ökonomen hatten lediglich einen Rückgang auf 104,3 Zähler erwartet. "Die konjunkturellen Aussichten haben sich nochmals verschlechtert", so Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn in einer Aussendung.

Erwartungen bleiben verhalten

Die Führungskräfte schätzten sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate schlechter ein als zuletzt. In den einzelnen Branchen fielen die Ergebnisse allerdings unterschiedlich aus: So habe sich ddas Geschäftsklima im Verarbeitenden Gewerbe deutlich verschlechtert. Die aktuelle Lageeinschätzung habe merklich nachgegeben und liege nur noch knapp über dem langfristigen Durchschnitt. Auch
die Erwartungen verschlechterten sich weiter. Die Kapazitätsauslastung sei um 0,3 Punkte auf 83,7 Prozent gefallen. Nur im Auslandsgeschäft keime leichte Zuversicht auf, heißt es in der Aussendung weiter.

Im Großhandel sei der Geschäftsklimaindex hingegen gestiegen: Nach zuletzt drei Rückgängen in Folge verbesserte sich die aktuelle Lagebeurteilung deutlich. Die Erwartungen an die weiteren Geschäfte blieben leicht pessimistisch. Im Einzelhandel dagegen trübte sich das Geschäftsklima erneut ein. Die Einzelhändler waren merklich weniger zufrieden mit ihrer aktuellen Geschäftslage. Die Erwartungen hellten sich
allerdings leicht auf, so Sinn.

Im Bauhauptgewerbe habe sich der Geschäftsklimaindikator minimal verschlechtert, würde aber auf weiterhin auf gutem Niveau verharren.

Stimmungstöter

Ökonomen gehen unterdessen nicht von einer längeren Flaute aus. "Die Konjunktur durchläuft derzeit eine Schwächephase, die man mit dem Begriff Delle wohl am besten beschreiben kann", sagte DekaBank-Experte Andreas Scheuerle. Stimmungstöter seien geopolitische Risiken, die schleppende Erholung der Euro-Zone, Deflationssorgen und auch die deutsche Wirtschaftspolitik. Ökonom Holger Sandte von der Nordea Bank zufolge stagnierte das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal, dürfte in den letzten drei Monaten aber wieder leicht wachsen.

Angesichts der Verunsicherung durch zahlreiche Krisen wie in der Ukraine und im Nahen Osten haben viele Experten ihre Prognosen deutlich nach unten korrigiert. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag rechnet in diesem Jahr noch mit einem Wachstum von 1,3 Prozent und geht für 2015 sogar nur von 0,8 Prozent aus. (Reuters, red, 27.10.2014)

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