Scheitern, aber bitte mit Coolness

27. Oktober 2014, 10:49
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Zum jüngsten Stück des Kollektivs Superamas

Die Satire ist ein beliebtes Kulturgut, das den Raum zwischen zweifelndem Achselzucken und frontaler Opposition mit augenzwinkernder bis bissiger Ironie ausfüllt. Darauf hat sich die Performancegruppe Superamas seit ihrer Gründung vor 15 Jahren spezialisiert. Und sie ist ihrer Satire treu geblieben, wie die Uraufführung von SuperamaX im Tanzquartier Wien beweist.

Das in Österreich, Frankreich und Belgien verankerte, sechsköpfige Männerkollektiv hat die zeitgenössische Choreografie-Szene mit Arbeiten bereichert, deren wichtigstes Charakteristikum Ambivalenz ist. Superamas' Stücke, Installationen und Videos sind Hybride - sowohl in den Inhalten als auch in der Wahl der künstlerischen Mittel. SuperamaX wirkt wie eine Bilanz der bisherigen Superamas-Laufbahn.

Das Sextett spielt darin die Crew einer Werbefirma, die sich einen neuen Look verpassen will. Klar, Werbung muss hip sein, und die Leute, die sie machen, brauchen eine "Philosophie". Ein herrlicher Ausgangspunkt also für einen Rundumschlag, in dem das Imponiergehabe von Männern ebenso auf die Schaufel genommen wird wie die Unantastbarkeit von Großbanken. Oder die verfahrene Ukraine-Politik. Oder die Pornografisierung der Liebe. Oder die Logik hierarchischer Organisationsformen.

Dabei jagt ein Klischee das andere, und die Performer versuchen den Tanz auf Messers Schneide zwischen Spott gegen die Verhältnisse und Selbstironie. In Bezug auf die Großbank bleibt der Spott letztlich aber zu lau, beim Thema Mann ist zu viel Eitelkeit im Spiel: scheitern ja, aber bitte immer mit Coolness.

Beim Frauenthema mag man(n) aus demselben Grund nicht ganz auf pubertäre Kalauer verzichten. Und wenn Porno verhonigelt wird, dann auch über eine, wenn auch liebevolle, Satire auf die Opposition gegen die Pornografisierung der Gesellschaft. Dahinter steht die Hoffnung, dass Subversion noch zieht. Wenigstens beim Kulturpublikum, dessen Lieblingsformat heute eine auf gesellschaftliche Probleme hinlenkende Ablenkung (von der Monstrosität mancher Probleme) ist. Daher: begeisterter Applaus. (Helmut Ploebst, DER STANDARD, 25.10.2014)

Tanzquartier Wien

  • Zwischen Spott und Ironie: "SuperamaX".
    foto: superamas

    Zwischen Spott und Ironie: "SuperamaX".


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