Börsianer atmen nach Bankenstresstest auf

27. Oktober 2014, 15:56
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Negative Überraschungen blieben großteils aus, Konjunktursorgen verdrängen die vorübergehende Euphorie, Italiens Krisenbanken stürzen ab

Tag eins nach dem Fitnesscheck für die Banken: 25 der 130 geprüften Institute rasselten beim EZB-Stresstests durch. Insgesamt ergab sich ein Kapitalloch von 25 Milliarden Euro, doch dieses ist zum größten Teil schon gestopft. Die Anleger in Europa reagierten zunächst mit Erleichterung auf die Ergebnisse.

Nach sehr starkem Beginn gab der ATX seine Kursgewinne allerdings sukzessive ab. Im Fokus der Anleger standen weiterhin die heimischen Bankaktien. So konnten Erste Group einen Kursanstieg um 3,65 Prozent auf 19,58 Euro vorweisen und Raiffeisen lagen noch 0,85 Prozent höher bei 17,14 Euro. Im Frühhandel hatte die Erleichterung über die Ergebnisse des Banken-Stresstests die Titel noch deutlich stärker nach oben gehievt. Fünf der sechs von der EZB geprüften österreichischen Banken sind auch im Stressszenario gut aufgestellt.

"Note zwei bis drei"

Der Vorstand der Unicredit-Bank-Austria und Chef des österreichischen Bankenverbandes, Willibald Cernko, erklärte zudem im Ö1-Morgenjournal, dass sich niemand Sorgen um sein Geld machen müsse. Der Stresstest habe gezeigt, dass die Situation stabil sei, versicherte er. Übertragen auf das Schulnotensystem habe das europäische Bankensystem mit "zwei bis drei" abgeschnitten.

Der EZB-Stresstest habe dazu beigetragen, das Vertrauen in die europäischen Banken zu stärken, so Cernko. Aber die Banken müssten weitere Aufgaben erledigen, weiter Kapital aufbauen, einen Abwicklungsfonds dotieren und das Einlagensicherungssystem weiter stärken.

Der deutsche Leitindex legte nur vorübergehend zu. Die Freude über die Ergebnisse des Banken-Stresstests währte nur kurz: Schwache Konjunkturdaten aus Deutschland drückten den DAX nach der ersten Handelsstunde wieder unter die Marke von 9.000 Punkten.

In den ersten Handelsminuten war der DAX noch bis auf 9.085 Punkte hochgesprungen. Am Vormittag schmolzen seine Gewinne dann komplett zusammen und er rutschte gar mit 0,27 Prozent ins Minus. Gegen den Trend gefragt blieben die Papiere der Commerzbank und der Deutschen Bank - von zwischenzeitlichen Kurszuwächsen von 9,5 Prozent beziehungsweise 3,6 Prozent blieb jedoch nur rund ein Drittel übrig. Der Index für die Banken der Euro-Zone gab seine Anfangsgewinne von zeitweise gut zwei Prozent im weiteren Handelsverlauf wieder ab und rutschte 0,5 Prozent ins Minus.

Vom Regen in die Traufe

Das größte Loch in der Bilanz wies in der simulierten Wirtschaftskrise die traditionsreiche Banca Monte dei Paschi aus Italien mit 2,1 Milliarden Euro aus. Die Aktien gaben 15 Prozent auf 0,85 Euro nach. Noch schlimmer traf es die Banca Carige: Die Titel brachen satte 18 Prozent ein und waren mit 0,08 Euro so billig wie nie zuvor. Die beiden Institute haben mit gut zwei beziehungsweise knapp einer Milliarde Euro innerhalb des italienischen Bankensektors die größten Kapital-Lücken.

Für die übrigen börsennotierten italienischen Banken, die beim Stresstest ebenfalls durchgefallen sind, ging es dagegen aufwärts. Banca Popolare dell' Emilia Romagna und Banca Popolare di Milano stiegen in der Spitze um jeweils mehr als drei Prozent. Banco Popolare legten zeitweise sogar 7,5 Prozent zu. Der italienische Leitindex kletterte um 0,6 Prozent.

Italien bleibt Sorgenkind

Bei der irischen Bank Permanent TSB lösten die Ergebnisse des EZB-Stresstests einen der größten Kursstürze der Unternehmensgeschichte aus. Die Aktien fielen um 24 Prozent auf ein Neun-Monats-Tief von 0,05 Euro.

Das schlechte Abschneiden der italienischen Banken führte Cernko auch darauf zurück, wie viel die jeweiligen Staaten zur Stabilisierung des Bankensystems aufgewendet haben: Deutschland 250 Milliarden Euro, Spanien 60 Milliarden, Österreich 19 und Italien nur vier Milliarden Euro. Dennoch sei die Lage in Italien nicht schlechter als in ganz Europa, letztlich seien es zwei Banken, die nachbessern müssten. (red, Reuters, 27.10.2014)

  • Nach der Erleichterung kommt der Freudensprung - zumindest bei den meisten.
    foto: apa/martin schutt

    Nach der Erleichterung kommt der Freudensprung - zumindest bei den meisten.

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    grafik: apa
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