Lexus NX 300h: Ecke trifft Kante

Ansichtssache30. Oktober 2014, 08:57
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Lexus probt die Revolution: Statt brav sollen die Fahrzeuge von Toyotas Premiummarke künftig wild und verwegen gestaltet sein. Wie das gemeint ist, zeigt exemplarisch der NX. Mit dem hat Lexus endlich einen kompakten SUV

foto: lexus

Gamechanger. Als solchen bezeichnet Lexus den NX, der in Europa eine positive Trendwende bewirken soll. Die Chancen stehen nicht schlecht: richtiges Auto (kompakter SUV), richtige Technik (Vollhybrid), richtiges Design (anders). Ein großer Vorteil ist, dass man mit dem NX nie mehr eine Radarstrafe bekommen wird - mit seinen Stealth-Eigenschaften (Ecke trifft Kante, und das gleich dutzendfach; da findet kein Radarstrahl mehr zurück ins Detektorkastl) ist er sozusagen blind für die behördlichen Abzockgeräte. Nein, Spaß beiseite: Lexus ist mächtig stolz auf das neue, progressive Design, und ja: Der NX soll durchaus polarisieren, der muss nicht jedem gefallen, aber die, denen er gefällt, sind dann immer noch genug, um diesen Premium-SUV zum Erfolg zu führen. Ähnliches hüpft ja seit Jahren BMW mit dem X6 vor.

Das Bild zeigt die dynamischste Version des dynamischen Hybrid-SUVs NX 300h, die Ausstattungslinie F Sport. Kommt auf 57.930 Euro. Die günstigste Version ist der Fronttriebler - Kostenpunkt: 39.990 Euro.

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Wir hüpfen jetzt in das Auto, dessen internationale Präsentation in Wien stattfand, vielleicht, weil dies irgendwie eine Hybrid-Metropole aus Vergangenheit und Zukunft ist, und bei Hybrid ist Lexus schließlich Pionier - kein anderer Hersteller kann von sich behaupten, die komplette Modellpalette mit Hybridantriebstechnik anbieten zu können. 2005 begann diese Offensive, bis Ende 2014 wird Lexus mehr als 800.000 Hybridautos verkauft haben.

NX bedeutet in Österreich vorwiegend NX 300h, mit 197 PS Systemleistung (interessanterweise 26 PS weniger als im IS 300h und GS 300h). Wer diese Kombination partout nicht will, kann auf eine 2,0-Liter-Turboversion mit 232 PS warten, die im März nachgereicht wird. Diesel ist nicht und kommt nicht, trotz der Kooperation mit BMW.

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Jedenfalls, der STANDARD-Tester unterwegs gen Güns, günstiges Gelände, um sich ein Bild vom Verbrauch im wirklichen Leben machen zu können: Stadt, Flach- und Hügelland, Autobahn und Landstraße. Ein Wert um die 8,2 l / 100 km ergab sich da, der sich allerdings bei stadtlastigem Mix noch deutlich nach unten verschieben lassen wird. Den Normverbrauch gibt der Hersteller mit 5,1 l / 100 km an.

Die ganz arge Verwegenheit der äußeren Erscheinung ist im Interieur zurückgenommen, hier empfängt einen jene wohlig-flauschig-gediegene Atmosphäre, die man an Lexus so schätzt, nur halt zeitgemäß neu interpretiert, mit gewisser Nähe zu einer Lounge in einem Designerhotel. So wohlbehaust man sich im NX fühlt, so komfortabel gibt er sich im Fahrbetrieb, selbst wenn "F Sport" draufsteht, zumal es sich da nur um die optisch dynamischste Ausstattungsversion handelt (mit Wabengrill) und keineswegs um eine, die nach neuen Rundenrekorden am Fuji Speedway in Oyama giert. Für so etwas hält Lexus andere Gerätschaft in Bereitschaft, das 477-PS-Sportcoupé RC F (ab Jänner) etwa.

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Der NX animiert eher zum komfortablen Cruisen, zur Daseinsform "gehobener mobiler Couch-Potato", das Unterhaltungsprogramm liefert optional Mark Levinson - mit der Weltneuheit Clari-Fi: optimiert die Klangqualität komprimierter digitaler Audiodateien (die das aber eh dringend nötig haben). Was weniger gefiel: dieses quadratische Touchpad in der Mittelkonsole links vom Automatikhebel. Nimmt die Bedienwünsche für das 8-Zoll-Multifunktionsdisplay - nun ja: extravagant entgegen, zickig fast. Warum, frägt man sich, bauen die nicht einfach einen Dreh-Drück-Bedientknopf ein wie der große Rest der Premiumautowelt? Was soll's, der Mensch gewöhnt sich an vieles, vielleicht auch daran. Was NXlern hingegen gefallen wird, sind das Head-up-Display, das kabellose Smartphone-Ladegerät und überhaupt diese geballte Ladung an Technik.

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Erhältlich ist der NX übrigens auch als Fronttriebler, als solcher ist er mit 39.990 Euro fast schon ein Schnäppchen. Der Rest kostet 46.270 bis 57.930 Euro und fährt mit Allrad. Nämlich nach exakt dem Strickmuster des größeren SUV-Bruders RX: Vorn treibt der Verbrennungsmotor (2,5-Liter-4-Zylinder-Atkinson-Benziner mit 155 PS), hinten einer der beiden Elektromotoren, jener mit 68 PS (der vordere leistet 143 PS), und die Nickel-Metallhydrid-Hochleistungsbatterie ist so platzsparend verbaut, dass sich der größte Kofferraum der Klasse ausgeht: 555 bis 1600 Liter.

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Für das Gedeihen von Lexus in Europa kommt dem NX überragende Bedeutung zu, er soll den Absatz schlicht verdoppeln. Endlich verfügt die Premiummarke, die sich (anders als in USA) hier immer noch enorm schwertut, über ein Fahrzeug in der boomenden Gattung halbwegs kompakter SUVs. Mit 4,63 Meter Länge positioniert sich der extravagante Typ genau in jenem Umfeld, in dem sich global erfolgreich BMW X3, Audi Q5, Mercedes GLK und Porsche Macan tummeln. Da ist locker noch Platz für diesen Lexus. Noch dazu, wenn der so viel stilistischen Mut an den Tag legt. (Andreas Stockinger, RondoMobil, DER STANDARD, 25.10.2014)

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Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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