So funktioniert das Leben

27. Oktober 2014, 07:08
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Österreichische Erstaufführung von Marius von Mayenburgs "Eldorado" im Werk X

Wien - Das Werk X hat seinen Spielbetrieb am neuen Standort im Kabelwerk aufgenommen. Die Meidlinger Bühne ist deutlich größer als jenes auch weiterhin bespielte Kellergewölbe am innerstädtischen Petersplatz. Jetzt gilt es, diesen neuen Theaterraum warmzuspielen, kräftig Theaterluft in den Betonbau inmitten der Wohnsiedlung an der Peripherie zu pumpen.

Mit der österreichischen Erstaufführung von Marius von Mayenburgs Eldorado ist das noch nicht ganz gelungen. Das zehn Jahre alte Stück hat durchaus Gültigkeit, jedoch wirkt die Inszenierung in der Regie des Autors patiniert und ein wenig zäh. Beherzte Schauspieler wie Elzemarieke de Vos oder Karim Chérif vermochten die Dialoge aber immer wieder in die Höh' zu reißen.

In einem großzügigen Cinemascope-Setting hadert da ein junges Paar mit seinem Glück. Mayenburg nimmt eine westliche Stadt ins Visier, die auf kryptisch bleibende Weise unter Beschuss steht. Mayenburg, der frühe Schaubühnen-Shootingstar der 1990er-Jahre, skizziert in seiner Dystopie einen Bedrohungszustand und dessen Konsequenzen.

Der im Grundgerüst reiche Aufriss blieb bei der Premiere am Donnerstag aber recht theoretisch. Von Bomben und Granaten ist die Rede, von ausgebrannten Wracks. Und als wäre das alles ein akzeptierter Alltag, wie es ihn an Kriegsschauplätzen weltweit gibt, versuchen Thekla und Anton (beide schön desperat: Anna Rot und Gábor Biedermann) in dieser auseinanderfallenden Welt ihr Leben zu behaupten.

Sie kaufen ein Haus mit Garten, er träumt vom Karpfenteich, sie ist schwanger. Es scheint zu laufen. Aber Immobilienhändler Anton hat die Unterschrift des Chefs (Peter Wolf) gefälscht, um überhaupt diesen Hausdeal machen zu können. Er wird entlassen, will aber damit das private Idyll nicht stören und verheimlicht die berufliche Misere seiner Frau.

Auf einer breiten Leinwand mit eingelassenem Vorhang (Ausstattung: Nina Wetzel) gehen Kriegsrumor und Gartenparadies in überlappenden Projektionen ineinander über. Die nymphomanische Schwiegermutter (manchmal angestrengt, aber ein magnetisches Geschöpf: Anna Franziska Srna) und ihr eifriger Lover (Chérif) setzen dem Glück des Paares auf ihre Weise zu.

Eldorado feierte im Frühling dieses Jahres in London eine unter anderem vom Guardian gefeierte Neuinszenierung; 2008 wurde nach der Vorlage bereits ein Kurzfilm realisiert. Der Stoff ist also nicht ausgereizt. Die Meidlinger Aufführung zeigt sich da wenig interessiert, sondern hat sich eher konservierend verhalten. So als hätte man dieses Eldorado nur zur Feuertaufe und als Brückenschlag zur alten Spielstätte gebraucht. Denn die Garage X heißt neuerdings Eldorado. (afze, DER STANDARD, 27.10.2014)

Bis 28.11.

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