Streit um Quarantäne für Ebola-Helfer in USA

27. Oktober 2014, 16:21
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Eine heimkehrende Helferin wurde in den USA in Zwangsquarantäne gesteckt. Sie darf nach Protesten und negativen Tests aber nach Hause zurückkehren - Ebola-Verdacht bei fünfjährigem Bub aus New York

New York/Freetown/Conakry - In den USA ist ein heftiger Streit um eine Zwangsquarantäne für Ebola-Ärzte und andere Helfer ausgebrochen, die aus Westafrika nach New York und New Jersey zurückkehren. Auch die Regierung von Präsident Barack Obama habe große Bedenken gegen diese Maßnahmen und dies den Gouverneuren beider Bundesstaaten, Andrew Cuomo und Chris Christie, mitgeteilt, berichtete die "New York Times" am Sonntag.

Zuvor waren Besorgnisse laut geworden, dass eine solche vorgeschriebene dreiwöchige Isolation bei der Rückkehr Ärzte und Pfleger aus den USA davon abhalten könnte, Ebola-Kranken in Westafrika dringend nötige Hilfe zu leisten. Außerdem hatte sich eine Krankenschwester, die nach ihrem Einsatz in Sierra Leone als erste in New Jersey den neuen Vorschriften zufolge in Zwangsquarantäne geschickt wurde, heftig darüber beschwert, wie mit ihr umgegangen worden sei.

Am Montag hieß es aus dem Büro von Gouverneur Christie, dass die Frau nach Hause zurückkehren dürfe, nachdem alle Tests negativ gewesen seien und sie in den letzten 24 Stunden keine Symptome der tödlichen Krankheit gezeigt habe. "Nach Gesprächen hat sie zugestimmt, in den Bundesstaat Maine zu fahren und sie macht das privat, nicht mit öffentlichen Verkehrsmitteln." In Maine werde sie weiter ständig untersucht. Ursprünglich sollte die Frau drei Wochen in Zwangsquarantäne verbringen.

Gespräche über Regelung

Cuomo und Christie hatten die Maßnahmen für ihre Bundesstaaten verfügt und verteidigten sie erneut damit, dass derzeitige Regeln auf Bundesebene nicht ausreichten. Die neue Vorschrift gilt für Personen, die auf dem Flughafen JFK in New York oder dem Newark Liberty International Airport im benachbarten New Jersey landen. Zwei weitere Bundesstaaten, Illinois und Florida, wollen nach Medienberichten dem Beispiel folgen.

Die Washingtoner Regierung stehe in Konsultationen mit den Gouverneuren New Yorks und New Jerseys, um eine Modifizierung der Vorschriften zu erreichen, hieß es in der "New York Times".

Tatsächlich lockerte der New Yorker Gouverneur Cuomo nach Angaben der Zeitung am späten Sonntagabend die Regeln. Nunmehr können Menschen, die keine Symptome zeigten, zu Hause in Quarantäne bleiben und sie erhielten eine Entschädigung für entgangenes Einkommen.

Helfer "unerlässliches Element"

Die Bedenken Obamas hatten sich auch in einer Mitteilung des Weißen Hauses nach einem Treffen des Präsidenten mit seinen Beratern in der Ebola-Krise am Sonntag widergespiegelt. Demnach betonte Obama, dass zu treffende Maßnahmen für rückkehrende Helfer auf der Basis bester medizinischer Erkenntnisse erfolgen müssten.

Er habe aber auch die Notwendigkeit unterstrichen, in Betracht zu ziehen, dass die Helfer ein "unerlässliches Element" bei der Bekämpfung der Krankheit an deren Wurzel seien. Maßnahmen sollten daher so getroffen werden, "dass sie diese Helfer nicht unnötig von ihrem Dienst abschrecken".

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte am Samstag mitgeteilt, dass mittlerweile insgesamt mehr als 10.100 Menschen an der Seuche erkrankt und über 4.900 davon gestorben seien. Experten gehen zudem weiterhin von einer hohen Dunkelziffer aus.

Ebola-Verdacht bei fünfjährigem Bub aus New York

Ein fünfjähriger Bub in New York hat US-Medienberichten zufolge möglicherweise Symptome der in Westafrika grassierenden Ebola-Seuche. Das Kind liege derzeit auf einer Isolierstation des Bellevue-Krankenhauses, hieß es in den Berichten am Montag.
Das Kind, das am Samstag aus Guinea in den USA eingetroffen sei, habe 39 Grad Fieber, sei aber noch nicht auf das Virus getestet worden, berichtete der TV-Sender ABC unter Berufung auf Vertreter des Gesundheitsdienstes. Die Zeitung "New York Post" berichtete, der Bub habe sich erbrochen und sei vom Notdienst in das Spital gebracht worden. (APA, 27.10.2014)

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