Banken im Schwitzkasten

26. Oktober 2014, 17:42
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Die Stresstests der Vergangenheit haben Pleitebanken immer wieder zu Unrecht völlige Gesundheit bescheinigt

Frage: Die Europäische Zentralbank (EZB) sagt, sie habe Europas Geldinstitute auf "Herzen und Nieren" geprüft. Woraus bestand der Stresstest?

Antwort: Genau genommen hat die EZB die 130 größten Geldinstitute Europas zwei separaten Prüfverfahren unterzogen. In einem ersten Schritt ("Asset Quality Review") wurde überprüft, wie die Banken bisher bilanziert haben, ob sie also Spielräume im Rechnungswesen sehr großzügig zu ihren Gunsten ausgelegt haben. Deshalb haben Wirtschaftsprüfer unter Aufsicht der EZB in einzelne Kreditfälle bei den Banken hineingesehen. Stimmen die Annahmen zu der Bonität der Kunden? Wurden Sicherheiten bei der Bank richtig bewertet? Allein in Österreich wurden laut Notenbank 8000 Kreditfälle überprüft. Ergebnis: In Europas Banken schlummern wohl mehr faule Kredite als bilanziert, die EZB spricht von 136 Milliarden Euro. Die Banken haben zudem Vermögen höher bewertet, insgesamt um 47,5 Milliarden Euro.

Frage: Heißt das, die Kreditinstitute müssen ihre Bilanzen korrigieren?

Antwort: Ja. Allerdings nicht in vollem Umfang. Die EZB hat zum Teil strengere Kriterien bei ihrer Bilanzprüfung angelegt, als dies internationale Buchführungsregeln den Banken vorschreiben.

Frage: Woraus bestand der eigentliche Stresstest?

Antwort: Nach dem Bilanzcheck haben EZB und die in London ansässige Bankenaufsicht EBA den eigentlichen Test durchgeführt. Dabei wurde eine drastische Verschlechterung der Wirtschaftslage angenommen (siehe Grafik). Die EZB wollte simulieren, was mit den Banken geschieht, wenn erneut eine globale Rezession ausbricht. Durchgerechnet wurde ein Zeitraum von drei Jahren (2014 bis 2016). Gleichzeitig wurde auch durchgespielt, wie die Bankenbilanzen sich in den nächsten drei Jahren bei dem erwarteten Wachstum entwickeln.

Frage: Wann ist eine Bank durchgefallen?

Antwort: Die Banken mussten eine harte Eigenkapitalquote von acht Prozent im normalen Szenario vorweisen. Im Stressszenario lag das Erfordernis "nur" bei 5,5 Prozent. Rechtlich vorgeschrieben sind derzeit 4,5 Prozent. Das harte Eigenkapital besteht im Wesentlichen aus Vermögen, das der Bank immer zur Verfügung steht, um Verluste abzudecken, also aus Aktienkapital und aus einbehaltenen Gewinnen.

Frage: Bei früheren Stresstests sind Problemfälle oft nicht erkannt worden. Warum soll das nun anders sein?

Antwort: Die EZB argumentiert, dass sie den bisher strengsten und umfassendsten Test durchgeführt hat. Bei den Tests 2009, 2010 und 2011 wurde der Check nur für einen Zweijahreshorizont durchgeführt. Die Annahmen waren auch deutlich strenger. Die EZB hat die Tests zudem direkt beaufsichtigt. Nationale Behörden, die lokale Banken möglicherweise bevorzugen, haben weniger Einfluss gehabt. Zudem übernimmt die EZB ab November 2014 die Aufsicht über die 130 größten Banken in der Eurozone. Sie hat also selber ein Interesse daran, möglichst nur gesunde Banken zu übernehmen. Denn wenn es in den kommenden Jahren kracht, würde man die EZB als Aufseher in die Verantwortung nehmen.

Frage: Welchen Zweck verfolgte eigentlich die ganze Übung?

Antwort: Die EZB will vor allem Transparenz schaffen: Investoren, aber auch die Bürger, sollen sehen, wie es ihren Banken geht. Freilich wird auch mit Kritik nicht gespart: Einige Ökonomen argumentieren, die EZB habe immer noch zu laxe Kriterien beim Stresstest angewandt. (András Szigetvari, DER STANDARD, 27.10.2014)

  • Der Ruf der Stresstests war bisher nicht gut. Kein Wunder: Beim Test im Juli 2011 bestand die belgisch-französische Dexia. Im Oktober musste die Bank mit Steuergeld gerettet werden.
    foto: reuters/john schults

    Der Ruf der Stresstests war bisher nicht gut. Kein Wunder: Beim Test im Juli 2011 bestand die belgisch-französische Dexia. Im Oktober musste die Bank mit Steuergeld gerettet werden.

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