Auftaktshow mit Druckausgleich

26. Oktober 2014, 17:14
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Shiffrin und Fenninger ex aequo - österreichisches Podestgedränge überrascht

Sölden - Es war kein Moment für schwache Nerven, als sich die Zeit beim Lauf der Halbzeitführenden Mikaela Shiffrin jener der im Finale voranliegenden Anna Fenninger näherte und die Uhr schließlich bestätigte - beide zeitgleich. Also gab es beim Saisonauftakt der Skidamen am Samstag auf dem Rettenbachferner zwei Siegerinnen - strahlende natürlich. 2002 hatte es sogar deren drei gegeben. Damals teilten sich die Tirolerin Nicole Hosp, die Norwegerin Andrine Flemmen und die Slowenin Tina Maze den Sieg.

Am Samstag feierte die 19-jährige US-Amerikanerin Shiffrin ihren ersten Riesentorlaufsieg. Und Fenninger, die 25-jährige Gesamtweltcupsiegerin der vergangenen Saison, jubelte in dieser Disziplin zum achten Mal. Damit hatte die Salzburgerin quasi nahtlos dort angeknüpft, wo sie im vergangenen Winter nach vier gewonnenen Riesenslaloms en suite aufgehört hatte. Eine Erfolgsserie, wie sie davor die Schwedin Anja Pärson im Jahr 2004 ebenfalls saisonübergreifend hingelegt hatte.

"Alles ist drinnen. Vom Sieg bis zur Niederlage", hatte Fenninger dem Standard noch vor dem Rennen gesagt. Und damit auch angedeutet, dass derartige Prognosen wenig sinnvoll sind, ganz besonders vor der Auftaktshow. Also galt auch in dieser Saison wieder: "Es ist ein spezielles Rennen, weil niemand weiß, wo er steht."

"Alles wurscht"

Ziemlich weit oben stand jedenfalls Eva-Maria Brem, eine weitere Österreicherin. Die 26-jährige Tirolerin machte es sich bereits zum dritten Mal in einem Riesentorlauf auf dem Podest bequem. Etwas zum Leidweisen von Kathrin Zettel, die nur um zwei Hundertstelsekunden langsamer war und Vierte wurde. "Das ist mir heute wurscht. Ich weiß, was noch alles drin ist", sagte die Niederösterreicherin. Mit drei ÖSV-Läuferinnen unter den besten vier hat auch Damenchef Jürgen Kriechbaum nicht gerechnet: "Das war weit mehr als erwartet."

Die Erleichterung stand Fenninger ins Gesicht geschrieben: "Auf meinen Schultern lag viel Druck, vor dem Start war ich extrem nervös", sagte sie nach ihrem insgesamt neunten Weltcup-Streich. Bereits zwei Tage zuvor war sie von Journalisten zur Skifahrerin der vergangenen Saison gewählt und mit dem Skieur d'Or ausgezeichnet worden. Die prestigeträchtige Trophäe ging zuletzt an Maze (2013), am Samstag nur 22., und im Jahr davor an Marcel Hirscher.

Abheben will die Super-G-Olympiasiegerin deshalb nicht. "Ich bin immer noch die gleiche Anna wie vorher, ich lebe mein Leben, wie ich es vorher auch gelebt habe." An weiteren Zielen gebe es keinen Mangel, denn "bei der WM gibt es viele Goldmedaillen zu gewinnen".

Ausfallsreichtum

Die ausgiebigen Schneefälle in den vergangenen Tagen hatten der Piste zugesetzt, und diffuse Lichtverhältnisse sorgten für schwierige Bedingungen, die zahlreichen Läuferinnen zum Verhängnis wurden. So scheiterten vor 13.000 Zusehern, die den ersten ÖSV-Sieg in Sölden seit Zettel 2008 bejubelten, unter anderen die Schweizer Vorjahressiegerin Lara Gut sowie die Österreicherinnen Elisabeth Görgl und Michaela Kirchgasser.

Für ein kräftiges Lebenszeichen sorgte Andrea Fischbacher. Die Super-G-Olympionikin von Vancouver 2010 verbesserte sich mit Laufbestzeit im zweiten Durchgang von Platz 26 auf 13.

Das nächste Damenrennen steigt am 15. November in Levi, Finnland. Fenninger wird sich den Slalom im Gegensatz zu Topfavoritin Shiffrin nicht geben. Ihr nächster Auftritt erfolgt beim Riesentorlauf am 29. November in Aspen, Colorado. (honz, DER STANDARD, 27.10.2014)

  • Anna Fenninger (links) und Mikaela Shiffrin gehen demnächst getrennte Wege.
    foto: apa/techt

    Anna Fenninger (links) und Mikaela Shiffrin gehen demnächst getrennte Wege.

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