Spanien: Arbeit für wenig Geld

26. Oktober 2014, 17:00
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Zahl der Jobs steigt, doch die Einkommen sinken

Eine Medaille hat zwei Seiten: Spaniens Rechtsregierung unter Premier Mariano Rajoy (Partido Popular) feiert den Rückgang der Arbeitslosenrate auf 23,67 Prozent im dritten Quartal als Erfolgsgeschichte. In dieser Zeit fanden 195.000 Menschen einen Job. Doch 5,43 Millionen Spanier haben immer noch keine Stelle. Und laut der Internationalen Organisation für Arbeit braucht es bis 2023, um das Beschäftigungsniveau des Vorkrisenniveaus zu erreichen.

Getrübt werden die offiziellen Zahlen des staatlichen Statistikinstituts INE nicht nur durch die hohe Zahl an befristeten und Teilzeitverträgen. 39 Prozent derjenigen, die Arbeit gefunden haben, sind neue Selbstständige, betont Àngels Valls, Professorin für Personalmanagement an der Esade Business School in Barcelona. Sie sieht "einen drastischen Verlust der Qualität der Arbeitsverhältnisse zugunsten der Quantität".

Neue Selbstständige lockte man jüngst auch per "Flatrate". Ein Semester lang müssen jene, die sich erstmals anmelden, statt 300 nur 50 Euro monatlich berappen. Dabei setzen acht von zehn der sogenannten Autonomos weniger als 1000 Euro monatlich um, vermeldete die Steuerbehörde zuletzt.

645 Euro beträgt der monatliche Mindestlohn. 12,3 Prozent der spanischen Arbeitnehmer leben unter der Armutsgrenze, geht aus einer aktuellen Studie der Gewerkschaft CCOO hervor. Nur in Rumänien (19,1 %) und Griechenland (15,1 %) ist der Wert höher.

Auch für künftige Generationen ist dies ein brüchiges Fundament. Die jüngste OECD-Bildungsstudie belegt: Kinder aus ärmeren Familien haben in Spanien dreifache Wahrscheinlichkeit, ein Schuljahr zu wiederholen. Was soziale Aufstiegschancen betrifft, rangiert Spanien unter 61 untersuchten Staaten auf Platz 54. Sorgerechts- und Unterhaltsklagen stiegen im Jahresvergleich um 13 Prozent. Die Scheidungsrate erhöhte sich um 2,8 Prozent. Der Oberste Richterrat ortet die Wurzel des Wandels in der Wirtschaftskrise. (jam, DER STANDARD, 27.10.2014)

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