Forum zum "Tatort: Blackout": Mär von der hungrigen Katze

Ansichtssache26. Oktober 2014, 19:00
72 Postings

Verquaster 60. Fall für Odenthal: ein seltsamer Reigen aus Betäubten und Betäubern, Vergewaltigern und Racheengeln, Champagnerflaschen und Hintern.

orf/ard/alexander kluge

Wenn Ulrike Folkerts alias Lena Odenthal etwas nicht verdient hat, dann das: einen Jubiläums-Tatort anlässlich von 25 Dienstjahren, der nicht nur den Titel Blackout hat, sondern auch befürchten lässt, dass das ausführende Team (Regie: Patrick Winczewski, Buch: Eva und Volker Zahn) bisweilen ein solches hatte.

1
orf/ard/alexander kluge

Der 60. Fall für Odenthal ist ein zunehmend kruder: Ein Mann wird, mit K.-o.-Tropfen betäubt und einer Champagnerflasche im Hintern, erdrosselt aufgefunden. Es folgt ein seltsamer Reigen aus Betäubten und Betäubenden, Vergewaltigern und Racheengeln, und man muss sich ärgern, dass ein so düsteres Thema zu einem so verquasten Konzept-Krimi verarbeitet wird.

2
orf/ard/alexander kluge

Ermitteln muss Odenthal allein, da man Kollege Kopper eine Auslandsreise zur Hochzeit seiner Kusine ins Drehbuch geschrieben hat. Lena Odenthal bekommt, solcherart alleingelassen, eine dermaßen schlimme Existenzkrise, dass sie allen Ernstes einem Barkeeper die alte Mär von der hungrigen Katze erzählt, die sie auffressen wird, wenn sie dereinst einmal tot sein und niemand sie vermisst haben wird.

3
orf/ard/alexander kluge

Natürlich, man kann schon mal die Nerven verlieren, wenn eine gebotoxte Frau, deren Mann vor seinem Ableben notorischer Fremdgänger und womöglich Schlimmeres war, einer ins Gesicht sagt, sie sei nur neidisch, weil sie keinen abgekriegt hätte. Oder die blonde, junge, leicht streberhafte Fallanalytikerin von den Zwillingen erzählt, auf die zu Hause der Papa aufpasst.

4
orf/ard/alexander kluge

Da Schwäche zeigen ist nicht nur okay, sondern gut. Was man hier aber mit der großartigen Lena Odenthal veranstaltet, ist nicht nur unsouverän, sondern auch sehr unoriginell. (Andrea Heinz, DER STANDARD, 27.10.2014)

Spiegel.de findet, das Einschalten lohne "durchaus: Nach längerer Durststrecke endlich mal wieder ein Tator" aus Ludwigshafen, der einen anfasst."

Die Welt schreibt über Ulrike Folkerts 60. Tatort: "Nie war sie so ungeschminkt, selten so gut."

Bild.de sagt: "Folkerts wirkt im Tatort – Blackout müde, die Neue bringt frischen Wind in den Jubiläums-Krimi."

Das ist eben die Story von Blackout, erinnert Die Süddeutsche die Kollegen vom Boulevard. Und sie urteilt: "Textlich liegt diese Episode über dem Ludwigshafener Niveau, inhaltlich hätte das Psychogramm einer Frau, die von der Zeit vertrieben wird, mehr Charme gehabt, wenn nicht auf der leading idea so gnadenlos herumgeritten würde."

Und wie finden Sie Odenthals 60. Fall? Wir freuen uns auf Ihre Meinung. (red, derStandard.at, 26.10.2014)

5
Share if you care.